Buntpapier: Die Welt der farbigen Papiere


"Kann ich Geschenkpapier oder Bastelpapier für meine Bucheinbände verwenden?"

"Wo bekomme ich so tolle Papiere für meinen Einband her?"

Das sind Fragen, die meine Kursteilnehmer mir letztes Wochenende gestellt haben; und sie sind berechtigt, aber nicht so einfach zu beantworten. Denn es gibt viele Arten von Buntpapier und verschiedene Bezugsquellen.


Welche Vorraussetzungen muss ein Papier grundsätzlich erfüllen, um fürs Buchbinden zu taugen? 

Der Buchbinder bewertet Papier für den Einband oder Vorsatz nach 3 Faktoren: 

Gewicht

Das Gewicht des Papiers bestimmt dessen Dicke; je schwerer das Flächengewicht des Papier, desto stabiler ist das Papier. Ausnahmen bestätigen diese Regel. 
Papier unter 80g/m² sind zu dünn und reißen schnell im Falz oder an den Kanten der Decke. Papier über 180g/m² ist zu dick und bricht schnell dort wo, du es knickst oder um die Kante ziehst. Zudem trägt es bei der Buchdecke auf. Für den Vorsatz kannst ein dickes Papier oder einen Karton verwenden. 

Das optimale Buntpapier hat ein Flächengewicht zwischen 100g/m² und 160g/m². 

Laufrichtung

Die Laufrichtung ist wichtig für die Haltbarkeit des Buches und du erzielst ein schöneres Ergebnis, wenn du die Laufrichtung richtig anwendest. 
Bei dem Papier für den Vorsatz und den Einband gilt, dass die Laufrichtung am Besten parallel zum Buchrücken ist. 
Bei Papieren, die extra fürs Buchbinden gefertigt sind, stimmen die Laufrichtung und die des Musters überein.
Wenn du selber Buntpapier herstellen möchtest, teste vorher welche Laufrichtung das Papier hat, dass du verwenden möchtest. Lege dann die Muster so an, dass sie zur Laufrichtung passen. 
Wenn du ein bereits bedrucktes Papier hast und die Laufrichtung und dein gewünschtes Muster nicht zusammenpassen, kann du auch die Entscheidung treffen, dass Buch mit falscher Laufrichtung zu binden. Das ist eine Frage der Abwägung; (ich persönlich mag es nicht und tue es für gewöhnlich nicht).
Wie du herausfindest welche Laufrichtung das Papier hat, kannst du im Artikel über Laufrichtung nachlesen. 

Größe des Buntpapiers

Die Größe eines Papierbogens spielt eine entschiedene Rolle für die Weiterverarbeitung des selbigen. Das Blatt muss mindestens die Größe haben, die die du als Nutzengröße ausgerechnet hast.
Als Vorsatz ist das das doppelte Format von der Breite des Buchblocks.
Für einen Ganzband sind es Höhe der Buchdeckel + Einschlag und in der Breite die Buchdeckelbreiten + Dicke des Buches + Falz + Einschlag. 
Bei Halbbänden brauchst du nur kleine Nutzen Buntpapier, die die Höhe des Buchdeckels + Einschlag haben müssen. In der Breite müssen sie maximal so groß wie die Deckelbreite + Einschlag sein. 

Besonders schön ist es, wenn das Papier auf den Buchdeckeln und im Vorsatz gleich ist. Dafür brauchst du ein Papier im entsprechenden Format oder sogar mehrere Bogen Buntpapier. 

Übrigens ist das Standardmaß für ein Blatt Buntpapier 50 cm x 70 cm oder 70 cm x 100 cm. 



Arten des Buntpapiers


Kleisterpapier

Kleisterpapier ist wahrscheinlich das Buntpapier, dass sich am Einfachsten zu Hause machen lässt. Trotzdem gibt es eine wundervolle Vielfalt an Mustern und Farben. Angebote an Kleisterpapieren wirst du selten in Läden oder im Onlineshop finden. Ihre Herstellung ist nicht aufwändig. 
Es gibt eine Vielzahl von Unterarten von Kleisterpapier: 

Spachtelpapier

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Bei Spachtelpapieren wird mit Kleister verdünnte Farbe erst aufgetragen und dann mit einem Spachtel abgezogen. Schicht für Schicht kannst du verschiedene Farben und Muster aufbauen. 








Geaderte Kleisterpapier

Wiederum wird hierbei das Papier mit Kleisterfarbe bestrichen, am besten zwei Bogen, die dann vor dem Trocknen aufeinander gelegt werden. Es entsteht ein geadertes Muster. 

Kleisterpapier mit Verdrängungsdekor

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Bei dieser Technik bestreicht du dein Papier mit der Kleisterfarbe und nimmst die Farbe dann wieder ab, wo du deine Muster haben möchtest. 
Dafür kannst du deine Finger, Kämme, Stempel und Pinsel verwenden. 








Marmorpapier

Bei Marmorpapier kannst du im Dekor und der Technik unterscheiden. Das Dekor unterscheidet sich nach den Mustern, die du beim Auftragen und später mit Stäbchen oder Kämmen erstellen kannst. 

Bei den Techniken gibt es ein paar Unterschiede: 

Öltrunk-Marmor-Papier

Bei der Öltunk-Technik marmorierst du mit verdünnter Ölfarbe auf Wasser. Das Ergebnis ist nicht ganz so präzise definiert wie bei Aquarell auf Schleimgrund, besticht aber durch satte Farben und ein haptische Oberfläche.

Marmorieren auf Schleimgrund mit Aquarellfarbe

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Die Königskunst unter den Marmorierungen wird mit Aquarell- oder Gouachfarbe auf einem schleimigen Grund aus Carragen-Moos ausgeführt. Der Aufwand rechtfertigt sich durch feine Linien und klare Abgrenzung zwischen den Farben. Dadurch dass sich die Farben aus Aquarellfarben mit Ochsengalle anmischen lassen, gibt es eine atemberaubende Vielfalt an Farben. 

 


Suminagashi

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Suminagashi ist die älteste Marmorierungstechnik und wird in Japan schon seit über einem Jahrtausend angewandt. Dabei lässt du Tusche auf einem Wasserbad verlaufen. Durch Takt und Position des Auftragens neuer Tusche entstehen faszinierende Muster. 






Ebru

Diese türkische Kunstform basiert auf dem Marmorieren auf Schleimgrund und wird mehr als die anderen Marmorierungsformen als darstellende Kunst angewendet. Gerne werden Blumen oder Landschaften dargestellt, während die anderen Formen eher mit abstrakten Mustern arbeiten.


Gedrucktes Papier

Gedruckte Papiere

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Damit meine ich in diesem Fall Papier, die du gedruckt kaufen kannst. Die meisten davon sind durch Offset- oder Digitaldruckverfahren hergestellt worden. Es gibt aber auch Künstler, die mit Lithographie, Siebdruck und anderen Druckformen experimentieren und dabei Buntpapiere herstellen. 





Lackieres, Reliefiertes Papier und Velourpapier

Diese Papiere werden erst gedruckt und dann mit verschiedenen Techniken veredelt.

Eco Print Paper

Ecoprint 7

Eco Print ist eine besondere Drucktechnik bei der die Farben und Strukturen aus einem frischen Blatt gelöst und mit dem Papier verbunden werden. Eine Anleitung wie du diese Technik anwenden kannst, gibt es in meinem Artikel über Eco Print






Stempelpapier

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Bei Stempelpapier druckst du durch Stempel ein regelmäßiges farbig Muster auf dein Papier. Gerne werden dafür großflächige indische Stoffstempel oder Musterrollen verwendet. 








Schablonenpapier

Bei Schablonenpapier arbeitest du andersherum und deckst den Bereich, der ohne Farbe bleiben soll ab. Durch mehrere Schablonen oder das Überlagern der gleichen Schablone mit verschiedenen Farbtönen, erreichst plastische Effekte auf dem Papier. 



Wie du siehst gib eine lange Tradition des Buntpapiermachens auf der ganzen Welt. Viele der Techniken kannst du mehr oder weniger einfach zu Hause anwenden und deine eigenen ersten Schritte in diese Kunst wagen. 

In den nächsten Monaten gibt es immer wieder neue Anleitungen für die verschiedenen Buntpapiertechniken;  möchtest du auf dem Laufenden bleiben? Dann melde dich für meinen Newsletter an und bekomme regelmäßige Updates zu den neuen Anleitungen. 

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