Buch und Wort No.4 - Leim & Kleister

Leim, Weißleim, Dispersionsleim oder gleich der Markenname Planatol bezeichnen alle die gleiche Art Klebstoff.
Es ist ein flüssiger Klebstoff, der durch die Verdunstung von dem beinhalteten Wasser trocknet.
Es gibt verschiedene Varianten Dispersionsleim, die auf verschiedene Anwendungen in der Buchbinderei spezialisiert sind. Der Leim ist sofort einsatzbereit und in verschiedenen Gebindegrößen erhältlich. Da Leim schlecht werden kann, empfehle ich nach Verbrauch und nicht auf Vorrat zu kaufen.

Kleister ist ein Klebstoff auf pflanzlicher Basis. Du kannst ihn aus Weizenmehl, Kartoffel- oder Reisstärke selber kochen oder Kleister-Pulver kaufen, dass du nur noch mit Wasser anrühren musst.
Kleister trocknet wie Leim durch die Verdunstung von Wasser.
Die Klebkraft ist nicht ganz so hoch wie bei Dispersionsklebstoffen, aber für die Buchbinderei in vielen Fällen ausreichend.

Weitere Klebstoffe sind Haut- und Knochenleime oder Heißleime (Hot Melt) auf synthetischer Basis. Letzte sind bekannt durch Heißklebepistolen und für die meisten Anwendungen in der Buchbinderei nicht zu gebrauchen, da sie sich nicht flächig auftragen lassen und zu schnell wieder abkühlen und abbinden.

Für sehr spezielle Anwendungen sind Zwei-Komponenten-Klebstoffe oder Sekundenkleber geeignet.

Und obwohl es vielleicht offenkundig ist, eine kleine Definition: Klebstoff ist ein Werkstoff, der die Fähigkeit besitzen muss, gleich oder unterschiedliche Materialien miteinander zu verbinden.

Es gibt noch ein paar weitere Begriffe, die sich auf die speziellen Eigenschaften von Klebstoffen beziehen:

Da wäre die offene Zeit. Das ist der Zeitraum zwischen dem Auftragen des Klebstoffes bis zum Zusammenfügen der Materialien oder dem Antrocknen des Leims, sodass er nicht mehr klebt.

Der Anzugsmoment ist der Augenblick, wenn du die Materialien miteinander verbindest und der Klebstoff sie miteinander verbindet. Optimalerweise kann aufs Pressen verzichtet werden.

Die geschlossene Zeit ist der Zeitraum zwischen dem Zusammenfügen der Materialen und dem Beginn der Pressung. Wird diese Zeitspanne zu lange ausgedehnt, ist ein wirksames Verkleben nicht mehr möglich.

Die Einpresszeit ist der Zeitraum, in der dein Pressgut (z.B. dein Buch) eingepresst wird. Das Pressgut wird mit Druck und auf Dauer eingepresst, damit Klebstoff und die Materialien genug Berührung und Zeit haben sich miteinander zu verbinden.

Die Trockenzeit ist der Zeitraum, in dem der Klebstoff trocknet und die Verbindung sich verfestigt. Am Besten verbringen die Materialien diesen Zeitraum im gepressten Zustand. Die Trockenzeit endet dann, wenn der Klebstoff getrocknet ist, zum Beispiel durch die vollständige Verdunstung des Wassers im Leim.

Offene Zeit, Einpress- und Trockenzeit sind bei jedem Klebstoff unterschiedlich und können sich durch äußere Umstände wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit verändern; wie bei Wäsche, die trocknet.

Während fertig Klebstoffe, wie Dispersionsleim, mit bestimmten, immer gleichen Eigenschaften gefertigt werden, sind selbst angerührte oder gemischte Klebstoffe darin variabel. Das hat den Vorteil, dass du sie nach deinen Vorlieben und der aktuellen Herausforderung anpassen kannst.

Du kannst Kleister mit Dispersionsleimen mischen. Dabei kannst du dich dein bevorzugtes Streichverhalten (wie gut sich der Leim verteilen lässt) und die Zeiten anpassen. Taste dich langsam an deinen optimalen Leim heran, indem du ein geringes Mischverhältnis ausprobierst, an einem Projekt testest und dann weiter vermischst. 


Das ist nu' ne kurze Abhandlung geworden; wenn du mir voll auf den Leim gegangen bist, kannste dir das 20 Minuten lange Video zum Thema reinziehen.