Buchleinen: Der Klassiker unter den Einbandmaterialien

Die Bezeichnung Buchleinen lässt keinerlei Rückschlüsse auf das Material oder die Webung des Stoffes zu, aus denen das Einbandmaterial gemacht wird. Er ist aus der Historie bedingt, als tatsächlich überwiegend Flachsfasern zum Weben sämtlicher Stoffe verwendet wurde. Das Material hat sich verändert, der Begriff ist geblieben. Alternative Bezeichnungen sind Buch(binder)-Gewebe, Büchertuch, Einbandgewebe oder diverse Markenbezeichnungen wie Buckram, Regent, Imperial oder Brilliant.

Geschichte des Einbandmaterials

Dank Gutenberg wurden Bücher das erstem Mal in Massen gedruckt. Das heiß aber noch lange nicht, dass der ganze Prozess ein Buch herzustellen, darauf ausgerichtet war, in Massenproduktion zu gehen. Die meisten Bücher waren in Leder oder Pergament gebunden. Rohstoffe, die damals wie heute nur begrenzt und zu hohen Preisen verfügbar waren. Die Alternative war naheliegend, auf Jedermanns Haut; Leinen war der Stoff, aus dem die Kleidung der Menschen gefertigt war und es wurde auch die Kleidung für die Bücher.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich spezielle Gewebe, die fürs Buchbinden optimiert wurden, und Techniken, die das Beste aus dem Material holten.

Gewebebände waren Gebrauchsbücher und sind meistens als Ganzband mit Titel- oder vollflächiger Deckelprägung produziert worden. Halbgewebebände waren eher unüblich; anders als bei Leder ist der Preisunterschied zwischen Gewebe und Papier nie groß gewesen.

2022 BB Buchleinen GewebeamBuchruecken

Als Bücher mit grafisch gestaltete Einbänden in Mode kamen, wurde die Gestaltung auf einen Schutzumschlag gedruckt und das Buch in Gewebe eingebunden. Heute ist Gewebe bei Gebrauchsbüchern weitestgehend verschwunden. Mal abgesehen, dass viele Bücher ausschließlich als Softcover, der Buchbinden sagt Broschur dazu, verkauft werden. Die Bücher mit festem Einband sind häufig in Efalin oder bedrucktem, cellophaniertem Papier gebunden. Das Gewebe hat quasi das Leder als hochwertiges Einbandmaterial abgelöst. Es findet Verwendung bei hochwertigen Büchern und edlen Verpackungen.

Vor- und Nachteile gegenüber anderen Einbandstoffen

In dieser Tabelle stelle Buchleinen anderen Bucheinbandstoffen gegenüber. 

EinbandmaterialienBuchleinen
Robustheit: Wie verhält sich das Material unter dem Einfluss äußerer Umstände wie Reibung oder Schmutz. Je robuster, desto mehr Sterne.
Langlebigkeit: Wie verhält sich das Material im Laufe der Zeit bei sorgsamen Gebrauch und langer Zeit im Bücherregal. Je langlebiger, desto mehr Sterne.
Preis: Wie ist der Preis pro Mengeneinheit. Je teurer, desto mehr Sterne.
Größe: Wie groß ist das durchschnittlich verfügbare Format. Je größeres verfügbares Format, desto mehr Sterne.
Vielfalt: Wie groß ist die Auswahl an Farben und unterschiedlichen Beschaffenheiten. Je mehr Vielfalt, desto mehr Sterne.
Verarbeitung: Wie leicht oder schwer ist die Verarbeitung des Materials. Je leichter, desto mehr Sterne.

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Materialien

Buchbinder-Gewebe ist an sich kein spezielles Gewebe. Der Stoff ist meist in Leinwandbindung gewebt und aus Leinen, also Flachs, Baumwolle, Viskose oder Polyester gefertigt. Die Besonderheit ist, dass dieses Gewebe auf ein dünnes Trägerpapier aufkaschiert wurde. Dies geschieht gleich bei der Herstellung unter viel Druck und Hitze. Dadurch halten Gewebe und Papier enorm gut zusammen.

Das Trägerpapier dient zum Einen dazu, das Gewebe stabiler zu machen; es verzieht sich nicht mehr, sobald du das Buchbinder-Gewebe zuschneidest oder anleimst. Zum Anderen dringt der Klebstoff nicht mehr zwischen die Fasern, wodurch auf der “schönen” Seite des Gewebe Leimflecken entstehen.

Webungen von Einbandstoffen (und anderen Buchbinde-Materialien)

Leinwandbindung

Die Leinwandbindung ist die häufigste Webart, der du in der Buchbinderei begegnest. Die meisten Buchleinen sind auf diese einfache Weise gewebt.

2022 BB Buchleinen boesnerMehrfarbig

Köperbindung

Die Köpernbindung erzeugt ein diagonales Muster im Stoff, die wie Fischgräten aussehen. Die Webart erzeugt eine glatte dichte Oberfläche und strapazierfähig Materialeigenschaften.

In der Buchbinderei gibt es wenige Einbandstoffe, die auf diese Weise gewebt sind. Heftband ist auf diese Weise gewebt und sogar danach benannt: es heißt Köperband.

BB Buchbinder Werkzeug 1

Atlasbindung

Noch seltener ist die Atlasbindung bei Bucheinbandstoffen. Ein mit dieser Webart gebundener Stoff ist sehr glatt und geschmeidig. Satin und Moleskin werden auf diese Weise gewebt, aber auch Litzen, die in der Buchbinderei als Lesezeichenbänder verwendet werden.

Buchleinen-Sorten

Offene Buchleinen

Strapazierfähig und in großer Farbvielfalt erhältlich, war dieses Material lange die Nummer Eins unter den Bucheinbandstoffen. Offene Buchleinen haben die Optik und Haptik wie ein normaler Stoff, der dicht um den Bucheinband liegt. Wie erwähnt gibt Gewebe unterschiedliche Farben, aber auch in unterschiedlichen Feinheiten. Diese hängt von der Fadendicke ab und wie eng diese beim Weben aneinander gefügt werden. Je mehr Fäden auf einen Quadratzentimeter kommen, desto feiner ist das Gewebe.

Doch offene Buchleinen sind nicht unbedingt roh und ohne Beschichtung. Manche von ihnen sind appariert, um bessere Eigenschaften beim Prägen oder Glanz auf der Oberfläche zu erzeugen.

Naturleinen

Tatsächlich aus Leinen, also aus den Fasern der Flachpflanze, gewebt. Naturleinen bekommst du in verschiedenen hellen Braun- und Cremetönen, manchmal leicht mit einer leichten Färbung ins Bläuliche oder Gelbliche. Die Natürliche Optik kommt daher, dass das Gewebe nicht bis zum perfekten Weißgrad gebleicht wird. Dazu kommen kleine Knötchen, durch die eine gewollte Unregelmäßigkeit entsteht.

Bei einem Halbleinen sind ein Teil der Fäden nicht aus Leinen, sondern aus Baumwolle oder Viskose.

Der Vorteil ist der rohe, natürliche Look, in dem Abrieb und Schmutz optisch untergehen und nicht zu sehen sind. Das Gewebe ist schön schwer und unterstreicht den robusten Eindruck deines Buchbinde-Objekts.

Der große Nachteil resultiert genau aus diesen Eigenschaften: Naturleinen ist ein dickes, steifes Gewebe. Es ist nicht sehr gefügig und die Einschläge sind schwer einzuschlagen.

Feingewebe

Feingewebe stehen im Kontrast zu Naturleinen, das als grobes Gewebe gilt. Feingewebe ist immer gebleicht und dann gefärbt. Zudem sind heutige Gewebe meist aus Viskose.

Mittlerweile gibt es Gewebe mit besonderen Strukturen oder in mehrere Farben, meist durch unterschiedliche Kett- und Schussfäden erzeugt.

2022 BB Buchleinen Imperial

Feingewebe ist einfach zu verarbeiten. Es ist schon im trockenen Zustand dünn wie Papier, angeleimt wird es weich und gefügig. Vorsichtig musst du nur mit Leimflecken sein. Ein Spritzer oder Fingertapser dringt zwischen die Fasern und hinterlässt meistens eine farbliche Abweichung.

Die gängigsten Feingewebe bei Schmedt sind Imperial, Regent, Tosco bzw. Savanna (von fein zu grob).

2022 BB Buchleinen feinundgrob2022 BB Buchleinen grobundgroeber

Diese Vielfalt ist der Vorteil, der die Beliebtheit dieser Einbandstoffe begründet. Sie sind leicht zu verarbeiten und sehen schick aus. Ihr Nachteil ist ihre Empfindlichkeit gegenüber Schmutz und Leimflecken.

Geschlossene Buchleinen

Die zweite große Gruppe der Buchbinde-Gewebe sind geschlossene Buchleinen. Geschlossen heißen sie, weil die Oberfläche dieser Gewebe versiegelt wurde. Meisten wird dafür eine Schicht Acrylat aufgetragen und in das Gewebe gepresst. Dadurch bleibt die gewebte Struktur erhalten, der spätere Bucheinband ist jedoch wasserabweisend und äußerst robust.

Kunstleder auf Gewebebasis können hier ebenfalls einsortiert werden.

Bibliotheksleinen

Während du es in einer normalen Stadtbücherei kaum auf Bibliotheksleinen triffst, begegnet es dir in Uni- und Fachbibliotheken ständig. Klar, Bücher in der Stadtbücherei werden in Buchfolie eingeschlagen und im Zweifelsfall ausgelistet oder ersetzte.

In Fachbibliotheken ist das nicht unbedingt möglich: Die Bücher sind seltener, teurer und in manchen Fällen ursprünglich keine Buch gewesen. Fachbücher, die lange halten sollen, und Zeitschriftenbände, in denen ein Jahrgang eines Magazins zusammengefasst wird, werden in diesem Bibliotheksleinen eingebunden.

Bibliotheksleinen ist, wie alle geschlossenen Buchleinen feucht abwischbar und kratzfest. Ursprünglich gab es eine kleine Farbpalette mit gedeckten Tönen in den Grundfarben.

Buckram

Im Prinzip ist Buckram die Markenbezeichnung von einer Sorte Bibliotheksleinen. Doch mittlerweile hat es sich zur Überbezeichnung gemausert. Und noch eine großartige Nachricht: Buckram gibt es in einer gigantischen Farbauswahl. 46 Farben mit glänzender Oberfläche, 7 Neonfarben, 7 Metallicfarben und 7 Farben mit matter Oberfläche, die wie oben erwähnt traditionell in Bibliotheken verwendet wird.

Unter anderen Marken und zum Teil von anderen Herstellern gibt es weitere Oberflächen und Farben. Kunstleder, Pastelltöne oder Glitzer. Geschlossene Buchleinen bieten eine gigantische Vielfalt.

Mit dieser Auswahl sticht Bibliotheksleinen schon heraus, doch es gibt noch einen Vorteil vor allem, wenn du deine ersten Bücher bindest: Es ist feucht abwischbar. Auch bei Leimflecken.

Ja, richtig gelesen. Du kannst Bücher ohne Leimflecken binden, beziehungsweise diese nachträglich abwischen. Es gibt eine Grenze. Wenn du das Gewebe beidseitig komplett in Leim ertränkst, kannst den Einband nicht mehr retten. Aber Fingertapser oder Leimspritzer sind blitzschnell weg.

Buckram ist mit diesen Eigenschaften perfekt für Anfänger, vor allem wenn du Schwierigkeiten mit der Koordination deiner Finger oder der Pinselführung hast.

Ein weiterer Vorteil ist, dass das geschlossene Buchbinde-Gewebe meistens nicht mit Papier, sondern mit einem dünnen Stoff oder gar nicht kaschiert sind. Deswegen kannst du die Deckelpappen mehrmals auf das angeleimte Gewebe legen und wieder abheben, falls du sie falsch platziert hast.

Der Nachteil ist, dass Bibliotheksleinen zwar nicht dick, aber ein bisschen steif ist. Es gestaltet sich mitunter zäh, die Einschläge anzukleben, weil sie gerne wieder aufstehen. Hierbei hilft ein bissl Planatol BB und den Einschlag ein paar Sekunden länger runterzuhalten. Dabei kann das Timing ein Problem werden, aber wegen der Vorteil ist es wiederum auch kein Problem die Einschläge ein weiteres Mal anzuleimen und möglicherweise entstehende Leimflecken wieder abzuwischen.

Besondere Bucheinbandgewebe

Bedruckstoffe

Bedruckstoffe sind Buchbinder-Gewebe, die sich Bedrucken lassen und wie Farbe halten wie Papier. Sie sind darauf optimiert das Druckbild genau und mit Brillanz wiederzugeben und trotzdem die Struktur und die Stabilität von Gewebe mitzubringen.

Diese speziellen Buchbinder-Leinen entwickelten sich zusammen mit dem Aufkommen des Digitaldrucks in den letzten 10 Jahren. Während meiner Ausbildung waren sie noch gänzlich unbekannt.

Velours

Obwohl Velours im Alltag am meisten als Stoff in Erscheinung tritt, gibt es keine Einband-Gewebe mit velours-artigen Eigenschaften. Das Einbandmaterial mit einem weichen Flor ist ein Papier, das mit weicher Viskose beflockt wurde. Velours-Papier wird traditionell für die Innenauskleidung von Schachteln oder Dokumentenmappen verwendet.

Das Material ist schwierig zu verarbeiten, für ein Papier ist es recht schwer und lässt sich schwer falzen. Auf der Velours-Seite ist jeder Leimfleck unwiederbringlich: die flauschige Beflockung wird verklebt und meistens tritt eine starke Farbveränderung auf.

Brokat

Es gibt Brokat als Einbandgewebe zu kaufen. Meistens handelt es sich aber nicht um Material, das für den Bucheinband gedacht ist, sondern um auf Papier kaschierten Brokat als Tapete. Trotzdem kannst du dieses Material für Bucheinbände verwenden. Die Dicke von Stoff und Trägerpapier sind bei solchen Stoffen ein Problem: Ecken lassen sich nicht gut einknipsen und die Einschlägen tragen so dick auf, dass du am Besten einen Ausgleich einklebst, damit der Vorsatz nicht allzu weit abfällt.

Stoffe für den Bucheinband verwenden

Wenn du schon weit bis und nach Brokat-Einbandstoff suchst, hast du dir bestimmt schon die Frage gestellt, ob du auch normalen Stoff für deinen Einband verwenden kannst. Die Antwort darauf ist ein klares Kommt-drauf-an. An kannst du jeden Stoff für deinen Bucheinband verwenden. Wenn es kein sehr dicker Stoff ist, durch den der Leim nicht durchdringen kann (hier entstehen die gleichen Probleme wie bei Brokat-Tapete), musst du den Stoff auf Papier kaschieren. Dafür verwendest du Kleister, damit keine Flecken auf der schönen Seite zurück bleiben. Es gibt eine extra Anleitung, wie du dabei vorgehst.