Papier-Eigenschaften mit dem Blick des Buchbinders

Notizbuch-Fans beschäftigt hauptsächlich eine Eigenschaft an ihrem nächsten Wegbegleiter: die Qualität des Schreibpapiers. 

Der Einband und seine Gestaltung spielen natürlich auch eine Rolle, aber wenn der Stift ausblutet oder die Schrift der vorherigen Seite durchzusehen ist, wird das Buch verschmäht und die Suche nach dem perfekten Notizbuch beginnt von Vorn. 

Vielleicht muss ich es nicht mehr sagen: als Buchbinder hast du die freie Wahl über die Materialien - was die Suche nach dem besten Papier nicht einfacher macht.

Mindeststandards für ein Papier aus der Sicht des Buchbinders

Es gibt ein paar harte Faktoren, die du bei einem Papier für ein Notizbuch beachten musst, bevor du austestet, ob es deinen Ansprüchen in Punkto Schriftbild gerecht werden kann. 

Dafür musst du dir erstmal Gedanken machen, welches Format und welche Bindung dein Buch haben soll. Bei einer Fadenheftung brauchst du Lagen, die aus Bogen bestehen, die so groß sind wie eine Doppelseite. Entsprechend muss deine Wahl auf Papier fallen, das in dem doppelten Format deines Endformats angeboten wird. 

Bei einer Klebebindung ist es einfacher. Dabei entspricht die Größe des Blattes dem Format des Buches. Eine Klebebindung ist bei Notizbüchern allerdings nicht zu empfehlen; sie ist weniger stabil, als eine Fadenheftung. 

Wenn du den Buchblock beschneiden möchtest, musst du bedenken, dass an drei Seiten - Oben, Unten und Vorne - genug Rand ist, den du abschneiden kannst. Oder dein Buchblock um die paar Millimeter kleiner wird. 

Optimal ist es dann, wenn dein Papier dazu noch die richtige Laufrichtung hat. Diese soll parallel zum Rücken beziehungsweise Falz sein. Ein Buch mit richtiger Laufrichtung ist langlebiger und die Seiten fallen schöner auf. Das macht das Schreiben in dem Buch angenehmer. 

Format und Laufrichtung sind einzig zwingenden Faktoren mit Blick auf die Buchbinderei. Sie beeinflussen aber nicht die Eigenschaften des Papiers, wenn du es auswählst, weil es sich gut anfühlt und deine Lieblingsstifte gut darauf schreiben. 

Was sind also die Kriterien, die diese weichen Faktoren beeinflussen?

Die Eigenschaften von idealem Papier für Notizbücher

Obwohl Papier im Prinzip immer auf die gleiche Weise hergestellt wird, kann es mit unterschiedlichen Eigenschaften versehen werden. Diese werden dem Papier in seiner Herstellung, zum Teil in den letzten Arbeitsschritten, beigefügt. 

Verpackungseinheit

Die Verpackungseinheit, oder VE, bezeichnet den Umfang und Zustand, in dem ein Papier verkauft wird. Aus dem Künstlerbedarf (oder der Schule) kennst du die Malblöcke, an denen das Papier an einer Seite zusammengeleimt ist. Die einzelnen Bogen kannst du abreißen oder umschlagen, um die Blätter darunter zu erreichen. Außer bei Blöcken mit Aquarellpapier, bei denen häufig alle vier Seiten abgeleimt sind. Bei einem Block gibt es ein Cover, das nicht nur das erste Blatt schützt, sondern auch mit Informationen über das Papier, wie Grammatur und Oberflächenstruktur, bedruckt ist.
Es spricht nichts dagegen, wenn du Papier in einem Buchblock kaufst, um es zum Buchbinden zu verwenden. 

BB Eigenschaften von Papier 6

In der Buchbinderei ist es üblich, dass du Papier in einem Ries kaufst. Ein Ries bezeichnet dabei eine Anzahl von Bogen des gleichen Formats, die (meistens) in einem kräftigen Papier eingeschlagen sind. Format und Anzahl der Bogen sind dabei nicht festgeschrieben, wobei das Format meistens 70 x 100 cm oder ein Bruchteil ist und 100 oder 250 Bogen pro Ries enthalten sind. Die Beschriftung eines Rieß ist auf einer der beiden schmalen Kanten aufgeklebt und umfasst meistens mehr Informationen als bei einem Papierblock. Neben Format und Grammatur sind häufig auch Laufrichtung, Volumen und Struktur vermerkt.

Grammatur

Die Grammatur ist die häufigste Angabe, die du findest, wenn du Papier kaufen möchtest. Sie seht meistens groß auf der Verpackung.
Sie wird in g/m² angegeben und bezeichnet demnach das Gewicht des Papiers unabhängig von dem Flächenmaß, das du erwirbst. Sogar die großen Bogen, 70 x 100 cm, haben nur ein Flächenmaß von 0,7m². Ihr Gewicht pro Bogen beträgt also nur 70% der angegeben Grammatur. Bei einem kleineren Format verringert sich das Gewicht des Bogens entsprechen.
Keine Sorge, es ist nicht notwendig, dass du beim Buchbinden das Gewicht eines Buches berechnen - es seid denn, du möchtest es unbedingt vorher wissen.

Franja empfiehlt: Natürlich kannst du all mögliche Berechnungen durchführen und im Vorhinein wissen, wie schwer dein Buch wird und wie dick der Buchblock am Ende ist – zumindest theoretisch. Statt, dass ich nun die Formelsammlung erweitere, gebe ich dir einen Link zu einem Rechner mit. Dort findest du unter Tools Rechner für verschiedene Maße.


Die Grammatur ist ein Vergleichsmaß: ein Papier mit 120 g/m² ist schwerer und unter Umständen dicker und opaker als ein 80 g/m², wobei letztere Eigenschaften durch andere Faktoren beeinflusst werden können. Je nachdem, welche Eigenschaften du an deinem Papier schätzt und wie dein Projekt gestaltet ist, kannst du nach schwereren oder leichteren Papier umschauen. 

Volumen 

Das Volumen bestimmt die Papierdicke. Liegt das Volumen bei 1 hat das Papier die normale Dicke für seine Grammatur; ein Papier mit einem Volumen von 1,2 ist um 20% dicker, als wenn es ohne Volumen hergestellt worden wäre.

Papier mit Volumen ist schön weich und ein wenig nachgiebig. Da das Papier bei gleichem Gewicht dicker ist, kannst du mit Volumen Buchblöcke erzeugen, die bei gleichem Gewicht und gleicher Anzahl von Blättern, dicker ist, als mit Papier ohne Volumen.
Zudem kann sich der Zwirn bei einer Fadenheftung ins Papier drücken, was bedeutet, dass tendenziell die Steigung am Rücken des Buchblocks geringer ist. 

Ein Nachteil von voluminösem Papier zeigt sich beim Beschnitt eines Buchblocks: Der Pressdruck einer Schneidemaschine muss speziell eingestellt werden, da die Standard-Einstellung zu starken Druck ausübt und den Buchblock mit dem Pressbalken zerpressen kann.
Auch wenn du den Pressdruck manuell einstellst, musst du ein bisschen aufpassen und arbeitest am Besten mit Ausgleichen und Zwischenpapier, um den Druck gleichmäßig zu verteilen. Zwinge den Pressbalken nicht runter bis es nicht mehr geht, der Buchblock muss zwar festgehalten, aber nicht knochenbrecherisch presst werden. 

Opazität

Die Opazität (Adjektiv: opak) bezeichnet die Lichtundurchlässigkeit, also Blickdichtigkeit von Papier; das Gegenteil von Opazität ist Transparenz. In vielen Fällen gilt: Je opaker, desto besser, schließlich will man nicht den Text der Vorseite durch die aktuelle Seite hindurch lesen können.
Bei Papier wird die höhere Opazität durch die Zugabe von Füllstoffen erreicht, der größte Faktor ist jedoch die Grammatur; je schwerer ein Papier, desto opaker ist es in der Regel. 

BB Eigenschaften von Papier 3

Die Opazität hat keinen direkten Einfluss auf die Bindung, wohl aber auf die Auswahl deines Papiers, wenn du es beschreiben oder bedrucken möchtest. Nimm dir für die Auswahl deines Papiers ein Seite mit deinem üblichen Schriftbild mit, und lege sie unter das Probeblatt, wenn du dir das Papier genau anschauen darfst. Überprüfe, ob du die Schrift durch das Papier hindurch scheint. Dies ist besser zu erkennen, wenn du viel Lichteinfall auf dem Testblatt hast. 

 

Oberflächenleimung

Heutige Schreibpapiere werden an ihrer Oberfläche mit speziellen Dispersionsleimen geleimt; früher wurde Gelatine verwendet. Dadurch wird das Papier weniger saugfähig und besser beschreib-, bemal-, und bedruckbar.
Ob dein Papier geleimt ist, lässt sich nicht immer an der Papieroberfläche feststellen. Erst wenn dein Papier mit zusätzlichen Füllstoffen und in mehreren Schichten gestrichen wurde, kannst du auf den ersten Blick erkennen, dass es sich um gestrichenes Papier handelt. Dieses Papier hat eine glatte, meist hochweiße Oberfläche und ist wirkt im Extremfall wie poliert.

Dies ist wieder eine Eigenschaft, die für das Binden des Buches an sich nicht relevant ist, aber eindeutig die Freude über dein zukünftiges Büchlein betrifft. Auch hier kannst du beim Einkauf fragen, ob du deinen Stift testen kannst - meistens wirst du dir jedoch das Papier kaufen müssen. Mit stark gestrichenem Papier wirst du allerdings nicht glücklich werden. Tinte dringt gar nicht ins Papier ein und trocknet darauf langsam, Kugelschreiber schmieren und Bleistifte wirken sehr blass und bieten keinen guten Kontrast.

BB Eigenschaften von Papier 1


Beim Buchbinden sind stark gestrichene Papiere auch wenig umgänglich. Das Papier rutscht dank seiner glatten Oberfläche aufeinander, so dass das Aufstoßen für eine Klebebindung oder zum Ableimen recht schwierig ist. Rauheres Papier mit einer offenen Oberfläche ist dabei viel dankbarer.

Struktur

Die Struktur kann im Fall eines gestrichenen Papiers von der Oberflächenbehandlung abhängen; jedoch gibt es eine weitere Methode wie Papier eine Struktur erhalten kann. Dafür wird das Papier mit einem Muster geprägt. Dadurch bekommt das Papier eine feine Relief-Struktur. Diese Struktur kann einseitig oder beidseitig aufgebracht werden. 

BB Eigenschaften von Papier 5

In der Buchbinderei gibt es Maschinenbütten und Efalin als klassische Beispiele für geprägte Papiere, die gerne als einfarbiges Vorsatzpapier verwendet werden. Als Papier für den Buchblock eignet sich solches Papier nur, wenn die Struktur nicht zu stark ausgeprägt ist; die Spitzen von Füllern und Finelinern werden davon irritiert und die Schrift wird krakelig. 

Eine Besonderheit bieten echte Büttenpapier: diese haben auf der Siebseite eine Struktur, die von dem Schöpfsieb stammt, und davon, dass beim Abfließen des Wassers Füllstoffe ausgeschwemmt werden. 

Farbe

Was bei Tonpapier offensichtlich ist, ist bei »weißem« Papier schon schwieriger zu erkennen - weiße Papiere können unterschiedlich weiß sein.
Die Farbe wird durch die Reflexion des Lichts vom Papier bestimmt, die genauen physikalische Werte sind praktisch aber nicht relevant. Den Weißgrad deines Papiers kannst du anhand mehrerer Bogen bestimmen, die du im gleichen Licht nebeneinander legst. Dabei wird sich das eine Papier als weißer erweisen als das andere; dieses wirkt im Vergleich gelblich. Dieser Faktor ist buchbinderisch wiederum nicht relevant; du kannst ganz nach deinem Geschmack entscheiden, was du hier bevorzugst.

BB Eigenschaften von Papier 4

Ein bisschen gelb ist dabei gut; zu weißes Papier blendet schnell und bildet einen zu harten Kontrast zum Schriftbild. Auch Romane sind häufig auf gelb stichigen Papier gedruckt, weil es ein angenehmeres Leseerlebnis bietet.
Hellweißes Papier wird mit optischen Aufhellern versehen. Tatsächlich sorgen blaue Pigmente dafür, dass es weißer wirkt als andere Papiere.

Tonpapier an sich definiert sich darüber, dass das Papier durch gefärbt ist. Um so intensiver die Farbe, desto mehr Pigmente müssen enthalten sein und da ein Papier bei der Herstellung nicht unendlich viel Füllstoffe aufnehmen kann, sind die meisten Tonpapiere eher blass. Wenn die Farbe auf deinem Papier intensiv und glatt ist, ist es eine Oberflächenfärbung oder ein Druck. 

Fazit

Welches Papier das Richtige zum Buchbinden ist, hängt von deinem Projekt und deinen Fähigkeiten ab. Wenn du gerade bei deinen ersten Buchbinde-Versuchen bist, ist das Papier das Richtige, das du gerade da hast - selbst wenn es einfaches Kopierpapier ist.
Buchbinderisch liegst du mit einem Werkdruck- oder Schreib- beziehungsweise Zeichenpapier nie falsch. Diese Papiere lassen sich gefügig verarbeiten und haben eine solide Qualität. 

Wenn du dir ein eigenes Notizbuch binden möchtest, versuche dich durch unterschiedliche Papiere. Du kannst dein Lieblingspapier nehmen, wenn du bereits eins hast und es in einem Block oder Ries erwerben kannst. Im Zweifelsfall kannst du dein Projekt so anpassen, dass es zu deinem Papier und dessen Laufrichtung passt. 

Wenn du ein Buch selber drucken möchtest, stehst du vor anderen Schwierigkeiten. Deine Wahl hängt von der Bedruckbarkeit des Papiers ab und dem Format ab, das dein Buch am Ende haben soll und das du bedrucken kannst. Hier kommst du um Experimente nicht herum.