In der richtigen Reihenfolge schneiden inkl. Schnittfehler-Liste

Wie immer in der Buchbinderei gibt es für die Abfolge von Schnitten eine optimierte Reihenfolge und eine Menge Fachbegriffe.

Schnittreihenfolge

Um effizient zu arbeiten, haben sich Regeln für die Schnittreihenfolge etabliert, von denen wir einige für unsere kleinen Buchbindereien übernehmen können: 

  1. Behalte ein Maß so lange wie möglich und nötig: Das heißt, dass du alle gleichen Maße auf einmal zuschneidest, selbst, wenn du das Material wechselst.
    Ein Beispiel dafür ist das Zuschneiden von Deckelpappen: Wenn du eine Bahn aus dem großen Pappbogen zuschnitten hast, lasse das Maß stehen und schneide den Schrenz für die Rückeinlage und Zusammenhängpapier in der Höhe zu. Damit sind sie exakt gleich hoch, wie die Deckelpappen. Dann erst verstellst du das Maß, um Pappen, Schrenz und Kraftpapier in der Breite zuzuschneiden. Beim Zuschneiden von Pappen für Schachteln ist dieses Vorgehen noch wichtiger. Hier markierst du dir am Besten schon nach dem Berechnen der Pappen, wo du die selben Maße hast und in welcher Reihenfolge du die Stücke zuschneidest.
  2. Mache parallele Schnitte: Eine Drehung deines Materials kostet Zeit und wenn du einen Stapel hast, ist es sogar ein Risiko. Wenn du den Stapel bewegst, könnten sich die Blätter verschieben und müsst sie dann neu ausrichten. Deswegen tust du gut daran, unnötige Drehungen zu vermeiden. Ordne deswegen deine Schnitte parallel an.
  3. Drehe immer in die gleiche Richtung: Wenn sich die Drehung nicht mehr vermeiden lässt, drehe dein Material immer in die gleiche Richtung um 90° Grad. So kommst du nicht durcheinander und brauchst dir nicht merken, welche Kanten du schon beschnitten hast. Eine Ausnahme bildet der Winkelschnitt, wo du das Material um 180° Grad drehst, nachdem du einen rechten Winkel zur optimalen Anlage zugeschnitten hast.

Schnittarten

Natürlich gibt es auch für bestimmte Schnitt präzise Bezeichnungen.

Winkelschnitt

Der Winkelschnitt ist der wichtigste Schnitt für gerade Bücher. Dabei schneidest du eine Bahn in der gewünschten Höhe oder Breite aus dem Rohbogen und drehst diese dann um 90° Grad. Richte den Bogen mit der langen Kante am Maßanschlag [?] aus und schneide eine schmalen Streifen ab, um der Bahn einen präzisen 90° Grad-Winkel zu verpassen. Dann drehst du das Material um 180° Grad und legst den rechten Winkel am Tisch-Anschlag an.

2022 Schnittreihenfolge 1

Dieser Vorgang ist wichtig, wenn du Reststücke verwendest, bei denen du nicht sicher sein kannst, ob sie einen rechten Winkel haben. Aber auch bei frisch gekauften Material kannst du dich nicht unbedingt verlassen, dass es im rechten Winkel zuschnitten ist. Der Winkelschnitt ist also der erste Schnitt, den du machst, bevor du dein Material auf Maß bringst.

Trennschnitt

Der einfachste ist der Trennschnitt. Dabei wird ein Material über eine ganze Strecke geteilt, sodass mindestens ein zu gebrauchender Teil abfällt. Wenn du einen A3 Bogen in zwei A4 Bogen teilst, machst du einen Trennschnitt. Ebenfalls ist es ein solcher, wenn du eine Gewebebahn von einer Rolle abtrennst, um daraus mehrere Nutzen zuzuschneiden. 

2022 Schnittreihenfolge 2

Zwischenschnitt

Der Zwischenschnitt ist eine Variante des Trennschnitts. Hierbei grenzen beide Nutzen jedoch nicht aneinander. Also werden zwei Trennschnitte gemacht, sodass ein Zwischenstück als Abfall übrig bleibt. Häufig sind Druckbogen auf die Weise angelegt, dass ein Zwischenschnitt nötig ist. Im Alltag eines Hobby-Buchbinders wird es selten zu einem Zwischenschnitt kommen. 

Rundumschnitt

Bei einem Rundumschnitt beschneidest du dein Material an allen vier Seiten. Gehe dafür vor, wie beim Winkelschnitt, nur dass du beim ersten Schnitt zur gewünschten Höhe noch einen weiteren Beschnitt hinzurechnen musst. Beim dritten und vierten Schnitt kannst den Tisch-Anschlag verwenden, um deinen Nutzen auf das gewünschte Maß zuzuschneiden.

Beschnitt am Buchblock

Der Beschnitt eines Buchblocks ähnelt in gewisser Weise einem Rundumschnitt, nur dass die Bindung natürlich nicht beschnitten wird. Damit ist der Schnitt nur dreiseitig.

Du kannst auf den Beschnitt auch verzichten oder ihn nur an zwei oder einer Seite ausführen.

Jeder der Schnitte hat einen speziellen Namen, sodass alle vier Seiten des Buchblocks präzise benannt werden könne.

Wenn das Buch mit dem Titel oben vor dir liegt, ist oben der Kopfschnitt, unten der Fußschnitt und auf der rechten, der Bindung gegenüberliegenden Seite der Vorderschnitt. Mitunter werden auch unbeschnittener Kopf, Fuß und Vorderseite mit diesen Begriffen bezeichnet, obwohl der Schnitt noch nicht ausgeführt wurde.

Eine weitere Verwirrung kann auftreten, wenn eine Buchbinderin von Farb- oder Metallschnitten spricht. Theoretisch müsste zum Beispiel der Farbschnitt am Kopf als Kopf-Farb-Schnitt genannt werden; in der Praxis wird häufig auf Kopfschnitt abgekürzt, wenn es im Kontext klar wird, dass der Farbschnitt gemeint ist. 

Der Beschnitt eines Buchblocks kannst du nur mit einem Stapelschneider oder einem Buchhobel ausführen. Während der Schnitt an sich einfach ist, ist es das Einpressen vor dem Schnitt nicht. Das liegt daran, dass der Buchblock je nach Bindung eine mehr oder weniger starke Steigung aufweist: er ist an der Bindung dicker als an der Vorderseite. 

BB 2022 Schneidgeraete 15

Um den Buchblock trotzdem gerade einzupressen, bedarf es eines Ausgleichs. Dieser wird aufgefächert und abgestuft, sodass der Buchblock an der Vorderseite genau so dick ist, wie an der dicksten Stelle der Bindung. 

Die Seite mit der Bindung ist immer die, die an der Anlage möglichst gerade ausgerichtet wird. Auch hier müssen eventuelle Schieflagen, wie durch einen einzelnen, auftragenden Bund, ausgeglichen werden; bei mehreren Bünden legst du den Buchblock an den Bünden an. 

Klassisch beginnst du beim Beschneiden des Buchblocks mit dem Kopfschnitt; sofern du diese Seite aufgestoßen hast, bevor du den Buchblock abgeleimt hast. Dann wendest du den den Buchblock, nutzt wieder die Bindung als Anlage und schiebst den Kopfschnitt an den Anschlag, um die Rechtwinkligkeit zu prüfen und schneidest den Fuß des Buchblocks. Zuletzt wird die Bindung am Anschlag ausgerichtet und der Vorderschnitt durchgeführt.

Beispiele für Schneidreihenfolgen

Wie bereits erwähnt, gibt es optimierte Schneidreihenfolgen, die mit möglichst wenigen Schnitten und Drehungen zu einem rechtwinkeligen, sauberen Zuschnitt führen.

Material für den Deckel

Beim Zuschneiden der Deckelpappen hast du optimalerweise gleich die Materialien für die ganze Decke parat liegen. Du kannst auch gleich das Einbandmaterial mit zuschneiden.

Schneide erst alle Materialien in der Höhe zu, dann beide Pappen in der Breite und das Zusammenhängpapier und die Rückeneinlage.

Schnittreihenfolge 1

(Beziehungsweise in diesem Fall habe ich erst die Breit der Deckel zugeschnitten und dann die Höhe von Pappe und Rückeneinlage

Schnittfehler

Beim Schneiden kann wirken Kräfte auf Schnittgut und Messer. Dabei kann auch mal was schief gehen, sodass sich am Ergebnis Schnittfehler erkennen lassen. Je dicker das Schneidgut ist, desto einfacher kann es zu Fehlern kommen. Deswegen ist der Planschneider häufiger von Schnittfehlern betroffen als Pappscheren, auch wenn sie nicht ausgeschlossen sind. Manche Fehler treten nur bei Pappschere oder Planschneider auf. 

Unterschnitt

Gegen das Messer wirkt durch das Material eine seitliche Kraft, die die Schneide in das Schneidgut drängt. Die untersten Bogen werden kürzer als die Oberen. Die Ursachen hierfür können sein:

  • Pressdruck zu klein
  • zu hartes und/oder schweres und/oder großes Schneidgut
  • Der Anschliffwinkel des Messers ist zu klein

Überschnitt

Das Messer weicht nach Vorne aus. Die obersten Bogen sind kürzer als die Untersten. Die Ursachen hierfür können sein:

  • zu hartes Schneidgut, zum Beispiel: Hochglanz oder Kunstdruckpapier
  • durch zu hohen Pressdruck stark verdichtetes Material
  • Der Anschliffwinkel des Messers ist zu klein

Unterschnitt und Überschnitt werden im Hausgebrauch eher unübliche Schnittfehler sein.

Pilzschnitt

Das Schneidgut wird durch das Messer vor dem Durchdringen deformiert. Die oberen Bogen werden nach unten gebogen und springen nach dem Schneiden wieder vor. Nach dem Lösen des Pressbalkens fallen sie länger aus. Ursachen hierfür können sein:

  • stumpfes Messer: Das Material wird nicht geschnitten, sondern beiseite gedrückt
  • weiches Schneidgut mit zu geringen Pressdruck: Das Material weicht auch einem scharfen Messer aus, weil es unterm Pressbalken noch zu viel Spiel hat.

Fehlerhafter Trennschnitt beim Hebelschneider

Das Material wird nicht vollständig durchtrennt. Dieser Fehler tritt bei Pappscheren beim Schnitt von Gewebe auf. Das Material kann einreißen oder zerknautschen und ist unbrauchbar. Ursachen hierfür können sein:

  • Anteilig stumpfes Messer, wodurch das Material nicht geschnitten, sondern gerissen oder zumindest der Schnitt unsauber ausgeführt wird.
  • Spalt zwischen Ober- und Untermesser, vor allem nah am Drehpunkt des Messers. In dem Fall musst die Einstellungen am Gerät nachjustieren.
  • Zu wenig Pressdruck: Das Material rutsch unterm Pressbalken durch und das Obermesser drück es nur nach unten.

Fehlerhafter Trennschnitt beim Stapelschneider

Auch beim Stapelschneider gibt es Gründe, weswegen der Schnitt beim Stapelschneider nicht ganz ausgeführt wird:

  • Messerbewegung zu kurz: Das Messer ist nach dem Schärfen nicht korrekt eingebaut worden und kommt nicht weit genug runter. Richtig ist, wenn das Messer leicht in die Schneidleiste eindringt.
  • Schneidleiste zu tief eingeschnitten: Die Rille in der Schneidleiste wird mit jedem Schnitt tiefer. Papierstaub drückt sich bei jeder Schnittausführung in das Gummi verbreitet und vertieft den Spalt. Wenn dieser zu tief ist, trifft das Messer nicht mehr gut auf die Schneidleiste oder drückt das Papier in die Rille, wodurch eine harte Kante an den untersten Blättern entsteht. Du drehst die Schneidleiste einfach in eine Position, in der sie noch nicht lag oder tauscht sie aus, damit das Problem gelöst ist.