Buchbinder-Leder - Eine kleine Materialkunde

Ein Buch in Leder ist ein Klassiker der Buchbinderei. Es gibt sogar spezielle Buchbinder-Leder, die sich historisch aus dem Handwerk und den Anforderungen ans Material entwickelt haben. 

Die Haupteinsatzgebiete für Leder sind die Herstellung von Ledereinbänden, die ganz oder anteilig mit dem Material überzogen sind. Zusätzlich werden Schachteln, Schuber und Mappen in Leder gehüllt. 
Es gibt gigantische Anzahl Werkzeuge, die speziell für die Lederverarbeitung am Buch entwickelt wurden. Darunter ist das Schärfmesser in seinen Varianten und dem Zubehör die Grundlage. Prägestempel, Fileten und Blattgold gehören seit jeher zur Kür der Buchbinderei.



Kern, Flanke und Hals - Unterschiede eines Leders

Das Leder ist ein wichtiger und wertvoller Werkstoff der Buchbinderei, der schon seit Jahrhunderten für den Bucheinband verwendet wird. Deswegen wird ein Fell möglichst ganz für das Bücher verwendet; doch die verschiedenen Teile haben unterschiedliche Qualitäten, weswegen für jedes Projekt der Ausschnitt sorgfältig ausgewählt wird.

BB Buchbinder Leder Einteilung

Der Kern oder Croupon ist der für den Buchbinder besondere und brauchbarste Teil des Fells. Der Kamm ist der Teil, unter dem die Wirbelsäule des Tieres lag. Die Flanken und der Hals können Löcher und Unregelmäßigkeiten enthalten, die von dem Aufspannen und Ziehen beim Gerben des Leders herrühren. Dort kann die Dicke des Leders unterschiedlich sein und die Narbung ist unregelmäßiger. Manchmal sind die Flanken-Stücke schwerer zu schärfen. Nichts desto trotz lassen sich auch diese Stück verarbeiten: Für (versteckte) Ecken, Schnüre und Bänder, oder schlicht zum Üben.

Anforderungen an ein gutes Buchbinder-Leder

Prinzipiell lassen sich zum Binden eines Buch oder Einschlagen einer Schachtel alle Leder verwenden; am häufigsten werden Ziegen- und Kalbsleder hergenommen. Es gehen aber auch “exotische” Leder wie Fisch- und Straußenleder und “normale" wie Rinds- oder Schafleder.

Doch alle Leder haben unterschiedliche Eigenschaften, die sie einfacher oder schwerer verarbeitbar machen. Der Buchbinder achtet dabei auf folgendes bei Leder-Art und dem einzelnen Fell:

  • keine ästhetischen Fehler wie Stiche, Löcher, Narben und ungleichmäßiger Färbungen
  • hohe Geschmeidigkeit, aber wenig dehnbar, damit sich das Leder leicht schärfen lässt
  • das Leder soll durchgefärbt sein, Oberflächenfärbung platzt an strapazierten Stellen wie dem Falz oder Ecken schnell ab
  • gute Verarbeitbarkeit zum Prägen und Vergolden; Techniken wie Punzieren oder Lederschnitt sind auf dem Ledereinband nicht üblich

Leder & Verantwortung

Leder ist in vielen alltäglichen Bereichen ein kritisches Thema. Für jedes Fell lässt ein Tier sein leben und tritt damit meistens einen wirren Weg durch seine Verarbeitung an, bis es auf deinem Tisch zum Buchbinden landet. Meistens gibt es keine Herkunftsnachweise und keine Sicherheit, über ökologische Standards. Chrom und viele andere Chemikalien der industriellen Lederproduktion sind umweltschädlich und giftig für die Menschen, die dort arbeiten. Bei falscher Verarbeitung ist es sogar noch schädlich, wenn es bei dir auf dem Tisch landet.

Ich hoffe jedoch, dass ich dir noch nicht ganz die Lust auf dieses wunderbare Material verdorben habe, denn es gibt einen hellen Streifen am Horizont. Viele Leder-Arten, die in der Buchbinderei beliebt sind, werden auf traditionelle Weise hergestellt und mit pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Stoffen gegerbt. Das befreit diese Leder nicht endgültig von Umweltverschmutzung, nicht umsonst lagen die Werkstätten der Gerber und Lederer früher flussabwärts am Stadtrand. Aber diese Stoffe verursachen keine unwiderrufliche Zerstörung in der Natur.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich Leder bis zum letzten Fitzel aufbrauchen lässt und wenig davon verschwendet ist. Dafür entstehen Bücher, die Jahrhunderte überdauern können.

Wenn du dich partout nicht damit anfreunden kannst, gibt es heute jede Menge “vegane” Leder oder Lederersatzstoffe, die optisch und teils auch von den Materialeigenschaften tierischem Leder ähneln.

Lederarten

Simpel gesagt stammen verschiedene Leder-Arten von verschiedenen Tier-Arten. Im Laufe der Zeit haben sich verschieden Verarbeitungs- und Dekor-Techniken entwickelt, wodurch eine breite Vielfalt an Ledern entstanden ist, die sich zum Buchbinden eigen. 

Ziegenleder

Ziegenleder ist das beste Buchbinder-Leder und sticht in allen Punkten hervor. Allerdings schließt sich dabei auch der Preis an.

Maroquin

Ursprünglich stammt Maroquin von Ziegen aus Marokko, heute wird häufig Leder aus Südafrika verwendet. Die Narbung wird als maroquin ecrase bezeichnet und ist nieder gepresst worden, um ihr einen speziellen Charakter zu verleihen.

Für Buchbinder ist es der Goldstandard unter den Ledern und lässt sich hervorragend verarbeiten und vergolden.

Oasenziegenleder

Das Ziegenleder aus dem Nordafrikanischen Raum weist Narben von Dornen und Stichen auf und wirkt dadurch natürlich. Es wird leicht geglättet und hat einen feste, griffige Oberfläche. Oasenziegenleder ist im Fachhandel leicht und in breiter Farbpallette zu bekommen, denn es wird von Buchbindern sehr gerne verarbeitet. Es lässt sich leicht schärfen und sehr gut prägen und vergolden. 

BB Buchbinder Leder Ziege

Saffianleder

Saffian ist ein feinnarbiges Leder von mitteleuropäsischen Ziegen. Es ist nach Safi, einem marokkanischen Umschlagplatz, benannt. Früher gab es dieses Leder in einer breiten Farbpallette und ist gut zu verarbeiten.

Rindsleder

Rindsleder hat den Vorteil großer Verfügbarkeit und der Größe des einzelnen Fells. Nicht jedes Rindsleder ist ein gutes Buchbinder-Leder, aber einige sind vorzüglich.

Kalbsleder

Kalbsleder ist ein klassisches Buchbinder-Leder. Anders als Ziegenleder ist die Narbenseite bei Kalb feinnarbig und wird zusätzlich häufig noch geglättet. Damit ist es optisch sehr anders als Ziege. Die Oberfläche ist empfindlich gegen Kratzer und Leimbatzer, weswegen die Verarbeitung nicht ganz einfach ist. Dafür fühlt es sich weich an und lässt sich hervorragend prägen und vergolden.

Kalbsleder ist meistens Spaltleder und lohgegerbt.

Rindsleder

Rindsleder ist wird nicht speziell für Buchbinder gegerbt, sondern für den Möbelbau. Deswegen ist es sehr strapazierfähig und in vielen Farben und Oberflächen verfügbar.

Die Oberfläche ist meistens glatt und feinnarbig und die Felle sind groß. Vorsicht ist geboten, da Rindsleder dick genug ist, um es ein oder zweimal aufzuspalten.

BB Buchbinder Leder Rind

Das Rindsleder ist je nach Gerbung unterschiedlich zu verarbeiten; chromgegerbtes Leder ist eher zäh zu schärfen.

Die hautseitigen Spalten haben nur eine aufgeprägte Narbung und sind zäher als die Narbenseite.

Andere Leder

Mit Leder von Ziege und Rind ist es nicht getan, zumal der Mensch an Haut alles gerbt, was ihm in die Finger kommt. Eine Sammlung, der gebräuchlichsten Leder der Buchbinderei. 

Schweineleder

Schweinsleder ist ein haltbares Leder mit außergewöhnlicher Narbung. Es wird meistens loh- oder weißgegerbt und wird nicht gefärbt. Es lässt sich schwierig verarbeiten, aber gut prägen. Das meiste Schweinsleder kommt aus Osteuropa.

Fischleder

Eine Besonderheit ist Fischleder. Lachsleder ist in einer breiten Farbpalette erhältlich, die Farben sind jedoch eher pastellig und die Schuppenspitzen bleiben natürlich dunkel eingefärbt. Noch spezieller ist Rochenleder, das eine sehr harte Oberfläche hat. Charakteristisch ist eine weiße Raute mittig auf dem Leder, dort wo früher der Stachel saß. Fischleder ist sehr dünn und muss nicht unbedingt geschärft werden. Lachsleder zumindest lässt sich schärfen.

BB Buchbinder Leder Lachsleder

Schafleder

Schafsleder ist ein günstiges Leder, das in einem breiten Spektrum von Farben und Narbungen angeboten wird. Die natürliche Narbung ist fein und glatt, kann aber durch Prägungen zu falschem Reptilien und ähnlichem geprägt werden. Auch wenn Schafsleder weit verbreitet ist, eignet es sich nicht gut zum Binden von Büchern. Das Leder lässt sich nur schwer schärfen und dehnt sich beim Verarbeiten stark.

BB Lederherstellung Oberoberflaechen

Dennoch ist es nicht unmöglich, damit Bücher zu fertigen.

Pergament

Pergament ist eigentlich kein Leder, da das Fell nicht gegerbt wird. Die Blöße wird aufgespannt und an der Luft trocknen gelassen. Dennoch wurde es nicht nur für den Buchblock zum Beschreiben verwendet, sondern wird bis heute als Bucheinbandmaterial verwendet. Durch die Herstellungsmethode reagiert es heftig mit Feuchtigkeit und dehnt sich sehr aus, um sich beim Trocknen wieder stark zusammenzuziehen.

Vegane Leder

Mit dem Blick auf Tierhaltung und Nachhaltigkeit werden heute immer mehr Leder-Imitate in guter Qualität auf den Markt gebracht; manche gleich als Bucheinbandstoffe, manche kommen aus der Richtung von Möbel und Bekleidungsindustrie. Diese Materialien unterscheiden sich stark in Verarbeitung. 



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