Anleitung: Einband gestalten mit Farben

Die Buntpapiere der Welt sind unendlich und wunderschön, doch manchmal sind die Muster und Farbverläufe nicht das Richtige für dein nächstes Buchprojekt. Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit deinen Einband zu erstellen. In diesem Blogpost bekommst du eine Anleitung und Tipps wie du deinen Einband gestalten kannst mit Malfarben. 


Einband gestalten mit Malfarben: Welches Material kannst du verwenden?

Erstmal brauchst du eine Einbanddecke, die du gestalten möchtest. Optimal ist dabei eine zusammengehängt Decke, die mit hellem Gewebe überzogen wurde. (Wie du einen solchen Einband machst, kannst du hier nachlesen.) 

Am Besten eignet sich Rohleinen-Gewebe, das eine natürliche helle Farbe hat und von der Struktur an die Keilrahmen aus dem Künstlerbedarf erinnert. 

Auch dickere Papier (bis ca. 150g/m²) kannst du als Material für deinen Bucheinband verwenden. Beachte jedoch, dass hierbei die Kanten der Decke empfindlicher sind, als bei einem Gewebeeinband. Sowohl Papier als auch Farbe können sich unter Belastung schneller abreiben, als bei Gewebe. 


Welche Farben kannst du verwenden, um deinen Einband zu gestalten?

Die Auswahl deiner Farben hängt ein wenig von der Wahl deines Material ab. 

Bei einem Gewebeeinband kannst du grundsätzlich alle pastösen Farben, wie Gouache-, Acryl- oder Ölfarben, verwenden. 
Um einen glatten Malgrund zu erhalten, kannst du eine Grundierung oder Gesso auftragen und trocknen lassen. Dein Untergrund ist dann weiß und die Poren des Gewebes sind geschlossen und glatt. Damit hast du einen leichten, flächigeren Farbauftrag bei den ersten Schichten. 

Beim Auftragen der Farbe achte darauf, dass du im Falz keine Dicken Farbschichten aufträgst. Der Falz ist das Scharnier des Bucheinbandes und muss beweglich bleiben. Zu dicke Farbschichten verhindern, dass du das Buch später aufschlagen kannst oder die Farbe platzt dort ab. Trage dort dünne Farbschichten auf und nicht so viele wie auf den Einbanddeckeln. 


Bei einem Einband aus Papier kannst du natürlich auch mit Öl- oder Acryl-Farben arbeiten, aber Papier eröffnet noch die Möglichkeit mit Aquarellfarben und Buntstiften zu malen. 
Bei Aquarellfarben trage die Farbe mit wenig Wasser auf, damit die Feuchtigkeit, nicht wieder den Leim anlöst, mit dem du die Decke gemacht hast. 


Warum nicht erst das Papier oder Gewebe bemalen und dann den Einband machen? 

 Du kannst natürlich auch das Gewebe oder Papier zu erst bemalen und dann daraus den Einband machen. Dabei musst du allerdings bedenken, dass du den Deckel auf der Rückseite deines Einbandmaterials auflegst und nicht siehst, ob deine Motive und Malerei richtig positioniert ist. Durch das Anzeichnen anhand der rückseitigen Motive kannst du aber auch gut zielen. Markiere dir die Position des Motivs und zeichne dann die Einschläge ein, sodass du die Decke dort anlegen kannst. 

Einband gestalten Outlines

Wie du deinen Einband gestaltest? 

Zuerst hänge deine Decke zusammen und überziehe sie mit einem Überzug wie es hier beschrieben ist. Lassen sie trocknen, aber verbinde sie noch nicht mit dem Buchblock.

Bevor laut drauflos malst, gibt es einige Gestaltungsregeln mit denen du dich vertraut machen kannst.

Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Um auszuprobieren welche Ideen du, wo auf deinem Einband gestalten möchtest, fertige eine Skizze oder eine Maßstab getreue Zeichnung an, auf der du deine Gestaltung skizzierst und ausprobierst, ob sie dir gefällt.
Zeichne dabei auf jeden Fall die Position von Falz und Rückeneinlage ein. Dort kannst du nun experimentieren, bevor du dich deinem eigentlichen Kunstwerk widmest.

Übertragen dann die Elemente auf deine Decke. Dafür kannst du sowohl bei Papier als auch bei Gewebe einen Bleistift verwenden. Solange das Material schon durchgetrocknet ist, kannst du ihn auch komplett wieder wegradieren. 

Trage nun die Farben auf. Ich selber habe nur ein wenig Erfahrung mit Acryl- und Öl-Farben. Deswegen kann ich dir keine genaue Anleitung für die Maltechniken geben. Verwende einfach deine bevorzugte Technik, besorge die entsprechende Lektüre oder probiere einfach aus was du schon immer mal malen wolltest.

Trage deinen Farben und deine Muster auch auf die Einschläge auf. Arbeite dabei möglichst glatt und flach. Lasse die Farbe gut trocknen und überziehen sie eventuell mit einer Schutzschicht.

Wenn du das Kunstwerk auf deiner Decke beendet hast, geht es an das Verbinden von Decke und Buchblock.

Dafür kannst du dich an dieses Anleitung halten, mit der Ausnahme, dass du zwischen Deckel und Pressfläche ein weiches, nachgiebiges Material wie eine Isomatte oder mehrfach gefalteten Filzstoff legst, wenn du hervorstehende Grate oder einen dreidimensionalen Auftrag hast. Damit verteilt sich der Druck auch auf die tieferen Flächen und kann nicht zerpresst werden.

Einband gestalten Malen

Tipps für das Einband gestalten


Es gibt ein paar Grundregeln der Optik, die sich bei der allgemeinen Gestaltung von Bildern, aber auch bei der speziellen Gestaltung von Buchcover beachten lassen. Das Ergebnis ist ein ästhetisches Buch nach deinen Wünschen.

Der Goldene Schnitt

Der goldene Schnitt ist das beherrschende Gestaltungselement in der Kunst. Dabei handelt es sich um ein Teilungverhältnis, das eine Strecke in einen großeren und einen kleineren Teil aufteilt. Diese Teilung wirkt harmonisch und fand daher Anwendung in Kunst und Architektur. Auch in der Gestaltung deines Bucheinbands kannst du diese subtile Wirkung zu Nutze machen und deinen Einband nach dem Verhältnis 1:1,62 aufteilen. 
Teile dafür jeweils deine Höhe des Einbands und die Breite des Covers (Deckel + halber Falz; mehr dazu unter dem Punkt Mittigkeit) durch 8 und multipliziere diesen Wert dann wiederum mal 5 für den größeren Teil und mal 3 für den kleineren. Du kannst dir Hilfslinien auf deiner Skizze einzeichnen, wo der goldene Schnitt liegt.

Optische Höhe

Wenn du ein Objekt (z.B. einen Schriftzug) mittig auf deinen Einband setzt, wirkt es häufig, als wäre dieser zu tief gesetzt und "hängt" nach Unten. Dies kannst du unter dem Einsatz der optischen Höhe ausgleichen. Die optische Höhe lässt sich zwar genau berechnen, aber meistens reicht es das Objekt ein paar Millimeter nach oben zu verschieben. Eine Schrift kann zum Beispiel auf die Mittellinie gesetzt werden, anstatt dass die Mitte der Schrift auf der Mittellinie liegt. 

Deckel und Einband

Bei dieser Anleitung gestaltest du den kompletten Einband. Vergesse dabei aber nicht, dass du selten den ganzen Einband auf einmal siehst, wenn das Buch fertig ist. Wenn du es vor dir liegen hast siehst du nur noch Vorder oder Rückseite. Wenn das Buch im Regal steht, siehst du nur noch den Rücken. Knicke deine Skizze an der Rückeneinlage und schlage einen Teil der Zeichnung unter, sodass du nur noch den Teil siehst, den du einzeln betrachten möchtest. Dadurch kannst du sehen, ob dieser Teil auch für sich die gewünschte Wirkung entfaltet. 

Geometrische Elemente

Klassisch in der Einbandgestaltung sind geometrische Elemente, weil diese sich einfach verarbeiten lassen. Auch ist die Schriftauswahl eingeschränkt auf die Buchstaben, die in Form von Prägelettern in der Buchbinderei vorhanden ist. 

Bei der freien Gestaltung des Einbands durch Farben, kannst du diese Einschränkungen hinter dir lassen, oder auf dies klassischen Elemente zurückgreifen. Es wurden häufig Rechtecke als Titelschilder oder als ineinander liegende Rahmen verwendet. 

Mittigkeit: 

In der Waagerechten (also in der Breite) ist die Mitte des Deckels nicht gleich der Mitte des späteren Covers. Bei dieser Mitte muss du noch den Falz mit einberechnen. Da dieser allerdings tiefer liegt staucht sich die optische Breite des Falzes und wirkt schmaler. Um die optische mit in der Breite des Buchcovers zu errechnen kannst du die Hälfte des Falzes zur Breite des Deckels hinzurechnen und die Mittellinie um die berechneten Millimeter Richtung Falz verschieben. 



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