Spezial-Werkzeuge in der Buchbinderei: Pressen und Maßnehmen

Die Buchbinderei ist ein altes Handwerk und im Laufe der Jahrhunderte haben sich eine Vielzahl an Geräten und Werkzeugen entwickelt. Viele von ihnen sind Spiegel ihrer Epoche und verraten dir die Geheimnisse aus der Geschichte der Buchherstellung. 

Du kommst mit den einfachen Handwerkzeugen, die ich Beitrag zur Werkzeug-Box vorgestellt habe schon ziemlich weit beim Buchbinden. Du kannst deine Werkstatt um Spezial-Werkzeuge erweitern, um dir dein Buchbinder-Leben einfacher zu machen. 

Mehr als eine Presse

Wer sich für den Newsletter anmeldet bekommt einen Anleitung wie er oder sie eine kleine Presse mit Materialien aus dem Baumarkt selber machen kann. Dieses Modell ist angelegt, an die in der Buchbinderei üblichen Spindelpressen. 

Nun, die Spindelpresse in der Buchbinderei ist aus Gusseisen und von den Ausmaßen ein anderes Kaliber – es gibt kleine Varianten mit einer Pressfläche von 30 x 30 cm, aber auch solche, die 70 cm Breite haben und deren Spindel über 2 m hoch ist. Da die Größe nicht ausschlaggebend ist, erkennst du die Spindelpresse daran, dass die Spindel, eine Gewindestange mittig auf der oberen Pressfläche angesetzt ist. Sie führt nach oben weg und wird über das Gegengewinde an einer Brücke auf und ab bewegt. Diese Brücke ist mit der untereren Pressfläche verbunden. Das Pressgut wird zwischen Bretter zwischen die Pressflächen gelegt und die Obere dann so weit heruntergelassen, bis genügend Druck aufgebaut ist.

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Mit einer Spindelpresse kann man gewaltigen Druck erzeugen. Die großen Pressen wurden für die handwerkliche Produktion von Auflagen entwickelt. Wenn es nötig ist, lassen sich hunderte Buchblöcke in eine solche Presse einbauen. 

Die kleinen Spindelpressen standen hingegen eher an einzelnen Arbeitsplätzen; in ihnen lassen sich wegen dem geringen Maximalabstand und dem geringeren Pressdruck nur einzelne oder wenige dünne Exemplare einpressen. 

Spindelpressen gibt es in neuen Ausführungen, du kannst aber ohne Sorge nach gebrauchten Spindelpressen suchen. Diese Geräte sind robust und auch 100-jährige Modelle funktionieren einwandfrei. Zudem sind sie schöner als heutige Pressen. 

Zur Wartung musst du nur manchmal die Spindel ölen und den Flugrost an unlackierten Stellen beseitigen. 

Die Spindelpresse ist aber nicht die einzige Presse in einer Buchbinderei. Eine weitere große Pressen-Variante ist die Kniehebelpresse – über ein Gelenk lässt sich schnell eine gewaltige Menge Druck aufbauen und fixieren. Diese Presse wird eher angewendet, wenn ein Buchbinder etwas schnell und stark anpressen möchte, weniger um ein Buch darin zu pressen, bis es durchgetrocknet ist. 

Neben den schweren, eisernen Pressen gibt es weitere aus Holz. Die häufigsten unter diesen sind die Klotzpresse und die Vergoldepresse. Lange Zeit waren diese beiden Varianten die einzigen Pressen im Buchbinder-Handwerk. 

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Die Klotzpresse wird auch Buchbinderpresse oder Holzspindelpresse genannt und hat zwei Begleiter. Der Pressbengel ist ein Steckaufsatz mit dem du den Griff verlängerst und die Presse leichter fest zuziehen kannst. Heute selten ist der Knecht, ein Fuß, auf dem du das eine Ende der Presse abstellen kannst, während das andere noch auf dem Tisch ruht. 

Die Klotzpresse war die universal Presse, in der Buchblöcke eingespannt wurden, um sie zu beschneiden, den Schnitt zu gestalten und den finalen Buchblock in der Decke einzupressen. 

Ergänzt wurde diese Presse um die Vergoldepresse, in der Bünde am Rücken abgebunden und der Buchschnitt vergoldet wurde. Die Vergoldepresse eignet sich zudem am Besten, um einen Buchblock für das Stechen eines Kapitals einzuspannen. 

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Wenn du siehst, dass an einer Vergoldepresse eine Leiste mit Stiften oder eine Reihe Nägel angebracht sind, dienen diese zum Abbinden von Bünden.  Dafür setzt der Buchbinder eine spezielle Kombinationen von Techniken ein: Zuerst wird der Buchblock mit erhabenen Bünden geheftet und später das Leder für den Einband direkt auf den Rücken geklebt. Quasi wie bei einem Taschenbuch, nur mit Leder und festen Deckeln. Die Bünde werden mit einer Schnur abgegrenzt und runtergedrückt, damit das Leder dicht an ihnen festklebt und sie sich klar abgrenzen. 

Wenn du in deiner kleinen Buchbinderei nur einzelne Exemplare oder winzige Auflagen bindest, kommst du mit diesen beiden Pressen entspannt bis in die hohen Weihen der Buchbinderei. Mit der Klotzpresse kannst du eigentlich alles machen, bis du die eben erwähnten Franzbände oder Goldschnitte machen möchtest. 

Wenn du dir etwas gönnen möchtest, kannst du nach einer kleinen Spindelpresse suchen – es komfortabel nur eine Spindel herunterzulassen und dadurch gleichmäßigen Pressdruck zu erzeugen. 

Eine große Presse ist heute eher Deko, als ein wirklich eingesetztes Werkzeug. Außer du hast vor große Auflagen von gleichgroßen Büchern herzustellen.

Ein Super-Spezial-Werkzeug: Die Heftlade

Es gibt zwei Wege einen Buchblock zu heften: Mit oder ohne Heftlade. 

Eine Heftlade ist wiederum ein Gerät aus Holz. Zwei Spindeln sind auf einem Brett festgemacht und an diesen Spindeln kann ein weiteres horizontales Brett hoch und runter verschoben werden. Zwischen diesen Brettern werden Bänder oder Schnüre gespannt. Die Lage wird an diesen Bünden angelegt und durchaus geheftet – an den Bünden holst du den Faden nach draußen umschlingst die Bünde und führst den Faden zurück in die Lage. 

Wie gesagt, du kannst meistens gut ohne Heftlade heften, aber mit ist es schöner. Eine Heftung auf Schnüre braucht immer eine Heftlade, da sonst die Schnüre Schlaufen bilden und die Lagen nicht eng verbunden werden; für andere Heftungen, wie die koptische Heftung, ist die Heftlade keine Hilfe. 

Stechzirkel – der Besser-Messer

Der Stechzirkel ist tatsächlich ein Zirkel, aber anders als der, den du in der Schule verwendet hast, zeichnest du mit ihm keine Kreise oder Kurven. Ein Stechzirkel hat zwei Spitzen, aber keinen Bleistift. Er wird anhand eines vorgegebenen Maßes eingestellt und auf der entsprechenden Länge fixiert. Damit kannst du dein Maß immer wieder hervorholen, ohne mühsam ein Lineal anlegen zu müssen. Besonders vorteilhaft ist ein Zirkel, wenn du auf einem angeleimten Untergrund arbeitest. Deswegen gibt es für den Stechzirkel des Buchbinders zwei Standard-Einstellungen: Die Breite des Falzes und die Breite des Einschlags. 

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Apropos Falz: Für den richtigen Abstand der Deckelpappen von der Rückeneinlage gibt es spezielle Anlagewinkel; die Handwerksbuchbinderin verwendet die Deckenmach-Winkel, wenn sie die Pappen direkt auf den angeleimten Nutzen legt. Bei zusammengehängten Decken, wie sie auf Selberbuchbinden vornehmlich gelehrt werden, eignen sich diese Winkel eher nicht. 

Der Stechwinkel ist zusätzlich flexibler im Maß, auch wenn der Falz mal vom Standard abweicht.     

Noch mehr Spezial-Werkzeuge?

Klar gibt es noch eine Menge mehr. Es sind sogar so viele, dass ich diesen Beitrag in zwei geteilt habe. Nächstes Mal gibt's mehr über Werkzeuge, mit denen du dein Buch schöner machen kannst. Ja, ich rede vom Prägen auf Bucheinbänden.

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