Anleitung: Kleisterpapier herstellen

Vor zwei Wochen habe ich einen Blogpost gemacht, in dem ich Buntpapier-Arten vorgestellt habe. 
"Wie mache ich dies Buntpapier?" Diese Frage hat mich erreicht und natürlich gebe ich dir die Anleitung,  dass du dein eigenes Kleisterpapier herstellen kannst. 


Material

  • Kleister
  • wasserlösliche Farbe (z.B. Acrylfarbe, ich bevorzuge mittlerweile Gouach und stelle meine Farbsammlung um) 
  • Papierbogen (in dieser Anleitung verwende ich das Doree V120, Format: 35cm x 50cm)


Werkzeug

  • Pinsel
  • Mischteller/Bretter oder ähnliches 
  • Pappstücke für Kämme und Spachtel
  • Schere/ Cutter
  • Stempel, Finger, alles was dir in die Finger kommt


Anleitung

Schritt 1: Vorbereitungen zum Kleisterpapier herstellen


Farbe und Kleister verrühren

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Für Kleisterpapiere brauchst du Farben, die mit Kleister verrührt wurden. Dabei geht es darum bei der Farbe die richtige Konsistenz und Struktur zu erreichen. Die Farbe sollte dick genug sein, um nicht zu verlaufen, wenn du ein Muster in sie hineinziehst. Gleichzeitig können zu dicker Auftrag, Farbe und Papier zum Brechen bringen, wenn du später ein Buch mit dem Papier bindest. Der Kleister macht die Farbe geschmeidiger und verhindert dies weitest gehend. 

Du erreichst eine gute Konsistenz, wenn die Farbe Jogurt ähnelt. Bei Acrylfarben ist das Mischungsverhältnis meiner Erfahrung nach am Einfachsten herzustellen. Der Kleister, mit dem du die Farbe mischt, sollte zu Beginn dick angerührt sein. Du kannst ihn immer noch mit Wasser verdünnen. 

Je mehr Kleister du in die Farbe mischt, desto weniger intensiv ist der Farbauftrag. 

Wenn du Farben anmischen möchtest, dann ist es am Besten, wenn du es vor dem Unterrühren des Kleisters tust. 


Kämme vorbereiten

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Du kannst Kämme kaufen, die verschiedene Abstände haben. Es gibt welche aus Metall (zum Fliesenlegen) als auch welche aus Kunststoff oder Gummi (für Strukturmalerei auf Leinwand). Du kannst dir aber auch simpel Kämme mit beliebigen Abständen selber herstellen. Dafür kannst du Pappreststücke nehmen und im gewünschten Abstand und Breite Markierungen machen. Die Zinken schneidest du mit einer Schere oder einem Cuttermesser aus. 



Arbeitsplatz vorbereiten

Für das Herstellen von Kleisterpapier braucht es ein bisschen Platz. Du kannst Makulatur unterlegen oder darauf verzichten und später den Tisch reinigen. Ich arbeite gerne direkt auf dem Tisch, das sich die Maserung beim Spachtelpapier durchdrückt und schöne Muster hinterlässt. 

Ordne deine Farben so an, dass du gut an jede herankommst und spontan verwenden kannst. 

Wenn ein Bogen fertig ist muss er trocknen. Richte dafür Platz auf dem Boden ein oder stell eine Wäscheleine auf. 


2. Schritt: Farbe auftragen

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Nimm die Farbe großzügig auf den Pinsel auf und verstreiche sie in weiten Zügen über dem Papier. Je nachdem wie du das Papier später bearbeitest, kann die Pinselführung ausgeprägt sichtbar sein. Überlege dir also vorher wie du die Farbe aufträgst. 

Wenn du mit mehreren Farben auf einem Bogen arbeiten möchtest, kannst du die Übergänge zwischen den Farben hart abgrenzen, indem du sie nebeneinander malst. Für weiche Übergänge vermalst und vermischt du die Farben miteinander.  


3. Schritt: Kleistertechnik für verschiedene Muster 


Papierabzug

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Bei dieser Technik entsteht ein Abdruck des Kleisterpapiers auf einem frischen Bogen. 
Du trägst auf dem ersten Bogen Farbe auf und kannst auch ein Muster hereinmalen. Einen zweiten, frischen Bogen legst du auf den ersten und reibst dann über die Rückseite, um die Farbe zu übertragen. Dann ziehst du den zweiten Bogen wieder ab und lässt ihn trocknen. Den Bogen kannst du als Grundierung für weitere Kleisterfarbschichten verwenden oder so als Buntpapier. Auch den ersten Bogen kannst du mit einem weiteren Muster versehen oder die Äderung bestehen lassen. 

Geädertes Kleisterpapier

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Geädertes Kleisterpapier entsteht, wenn du zwei eingefärbte Bogen, Farbe auf Farbe, aufeinanderlegst und dann wieder abziehst. Bestreiche beide Bogen gründlich mit Farbe und lege sie aufeinander. Um den Abdruck zu regulieren kannst, du auf die Rückseite Druck ausüben. Mal mehr, mal weniger. Den besten Effekt erzielst du, wenn du zwei unterschiedliche Farben verwendest. 



Spachtelpapier

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Spachtelpapier entsteht, wenn du nach dem Farbauftrag die Farbe mit einem Stück Pappe abziehst. Dabei wird alle überflüssige Farbe entfernt und die Farbübergänge miteinander verbunden. Der Effekt variiert, je nachdem wie du die Farbe zuvor aufgetragen hast. 
Eine drunter liegende Maserung oder Musterung wird durch den Druck des Spachtels auf das Papier übertragen. 

Dadurch, dass nur eine dünne Farbschicht bestehen bleibt, kannst du Papiere deren Muster oder Farben du nicht magst abziehen und trocknen lassen. Dann lässt sich eine zweite Schicht auftragen und der Bogen hat noch eine Chance. 

Du kannst den Spachtel aus einer beliebigen Richtung über das Papier führen; klassisch ist von oben nach unten. Du kannst für Querstreifen auch von links nach rechts gehen oder diagonale und überkreuzende Züge machen. 


Kleisterpapier mit Verdrängungsdekor

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Verdrängungsdekor klingt sperrig, umfasst aber alle Techniken, bei der du die aufgetragene Farben mit einem Hilfsmittel wieder verwischst oder abträgst. Bei der gängigsten Methode setzt du einen Kamm ein, um Linien, Wellen oder Schnörkeln in gleichmäßigen Abständen auf dem Papier zu hinterlassen. 

Hier kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen und alles ausprobieren, was dir einfällt. Wenn du keinen passenden Stempel hast kannst du mit deinen Fingern arbeiten. 


4. Schritt: Bogen trocknen lassen

Um die Bogen trocknen zu lassen, breite sie flach auf dem Boden aus oder hänge sie über einen Wäschständer. Lege das Papier bei Letztem immer über zwei Streben, damit kein zu harter Knick bei dem feuchten Papier entsteht. Das Papier braucht 5-8 Stunden um zu trocknen. Dannach kannst du es zusammen rollen, mit der eingefärbten Seiten nach Außen. Dabei glätten sich hochgerollte Kanten oder Wellen im Papier. 

Papier wachsen oder glätten

Bei dem Kleistern des Papiers quellen die Fasern im Papier durch die Feuchtigkeit auf und legen sich mit der Farbschicht eher rau wieder ab. Das kann charmant sein, aber je nach Geschmack schmeichelt glattes Papier der Hand mehr. Um die Oberfläche des Papier zu glätten, kannst du das Papier mit Bienenwachs einreiben. Ich verwende hierfür gerne Holzwachspaste, die sich mit einem Lappen aufnehmen und auf das Papier übertragen lässt. Streiche mit kreisenden Bewegungen über das Papier und trage das Wachs gleichmäßig und dünn auf. Wenn du den ganzen Bogen gewachst hast, kannst du ihn mit einem sauberen Lappen polieren. 

Wenn du dem ganzen noch die Krone aufzusetzen möchtest, glätte das Papier zusätzlich mit einem Glättstein aus Achat. 



Wie du stehst gibt es viele Techniken, zum Kleisterpapier herstellen und die Ergebnisse sind verblüffend schön. Ran den den Kleister und probiere selber aus Kleisterpapier zu machen. Teile deine Papier und handgebundenen Bücher und Schachteln mit Kleisterpapier mit dem Hashtag #selberbuchbinden. 

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