Eigenschaften von Papier zum Buchbinden

Auf einem gekauften Buch, sei es ein Roman oder ein Notizbuch, stehen selten Angaben zum verwendeten Papier. Notizbücher weisen zumindest die Grammatur und Struktur aus. 

Die Eigenschaften von Papier sind beim Buchbinden jedoch sehr wichtig. Wenn nicht bei der Bindung selbst, dann später, wenn du das Buch verwendest. 
Am Besten machst du dir Gedanken, welche Papiere mit welchen Eigenschaften du wählst, bevor du mit dem Binden beginnst. 

Dieser Beitrag stammt aus dem Zirkel der Selberbuchbinder. Im Zirkel findest du weitere Inhalte, die dich tiefer in die Welt des Buchbindens entführen. Inklusive Anleitungsvideos, Materialempfehlungen und Austauschmöglichkeiten mit anderen Selberbuchbindern.


Mindeststandards für ein Papier aus der Sicht des Buchbinders

Es gibt ein paar harte Faktoren, die du bei einem Papier, für zum Beispiel ein Notizbuch, beachten musst, bevor du austestet, ob es deinen Ansprüchen in Punkto Schriftbild gerecht werden kann. 

Dafür musst du dir erstmal Gedanken machen, welches Format und welche Bindung dein Buch haben soll. Bei einer Fadenheftung brauchst du Lagen, die aus Bogen bestehen, die so groß sind wie eine Doppelseite. Entsprechend muss deine Wahl auf Papier fallen, das in dem doppelten Format deines Endformats angeboten wird. 

Bei einer Klebebindung ist es einfacher. Dabei entspricht die Größe des Blattes dem Format des Buches. Eine Klebebindung ist bei Notizbüchern allerdings nicht zu empfehlen; sie ist weniger stabil, als eine Fadenheftung. 

Wenn du den Buchblock beschneiden möchtest, musst du bedenken, dass an drei Seiten - Oben, Unten und Vorne - genug Rand ist, den du abschneiden kannst. Oder dein Buchblock um die paar Millimeter kleiner wird. 

Optimal ist es dann, wenn dein Papier dazu noch die richtige Laufrichtung hat. Diese soll parallel zum Rücken beziehungsweise Falz sein. Ein Buch mit richtiger Laufrichtung ist langlebiger und die Seiten fallen schöner auf. Das macht das Schreiben in dem Buch angenehmer. 

Format und Laufrichtung sind einzig zwingenden Faktoren mit Blick auf die Buchbinderei. Sie beeinflussen aber nicht die Eigenschaften des Papiers, wenn du es auswählst, weil es sich gut anfühlt und deine Lieblingsstifte gut darauf schreiben. 

Bonus: Papiere in der Buchbinderei
In der Buchbinderei gibt es keine festen Zuordnungen, welche Bücher, welche Papier enthalten müssen. Aber es gibt eine grobe Richtlinie für die europäische Buchherstellung: 
Bibeldruckpapier (oder Dünndruckpapier, Bibelpapier) wiegt zwischen 25 - 60 g/m². Du kennst diese Papier aus den namengebenden Biblen oder Gesangsbüchern, es gibt aber auch vielseitige Klassiker auf Dünndruckpapier.
Kopierpapier (oder Druckerpapier, Büropapier) wiegt 80 g/m², selten mehr. Es ist dir sicherlich im DIN A4 Format bekannt und hat in Deutschland immer die Laufrichtung Schmalbahn. 
Buchdruckpapier (oder Werkdruckpapier) wiegt zwischen 80 und 120 g/m². Es wird bei Romanen oder Sachbüchern mit vorwiegendem Textinhalt verwendet. 
Kunstdruckpapier (oder gestrichene Papier, Bilderdruckpapier) wiegt zwischen 70 und 170 g/m². Meistens ist wurde dieses Papier weiter verfeinert und hat ein Volumen, höhere Opazität und eine glatte Oberfläche. Diese Papier eignen sich besonders gut zum Drucken farbiger Flächen und wird deswegen für Hochglanzmagazine, aber auch illustrierte Kinderbücher und Bildbände verwendet. 

Was sind also die Kriterien, die diese weichen Faktoren beeinflussen?

Die Eigenschaften von Papier

Obwohl Papier im Prinzip immer auf die gleiche Weise hergestellt wird, kann es mit unterschiedlichen Eigenschaften versehen werden. Diese werden dem Papier in seiner Herstellung, zum Teil in den letzten Arbeitsschritten, beigefügt. 

Verpackungseinheit - Hundert Bogen davon bitte

Die Verpackungseinheit, oder VE, bezeichnet den Umfang und Zustand, in dem ein Papier verkauft wird. Aus dem Künstlerbedarf (oder der Schule) kennst du die Malblöcke, an denen das Papier an einer Seite zusammengeleimt ist. Die einzelnen Bogen kannst du abreißen oder umschlagen, um die Blätter darunter zu erreichen. Außer bei Blöcken mit Aquarellpapier, bei denen häufig alle vier Seiten abgeleimt sind. Bei einem Block gibt es ein Cover, das nicht nur das erste Blatt schützt, sondern auch mit Informationen über das Papier, wie Grammatur und Oberflächenstruktur, bedruckt ist. Es spricht nichts dagegen, wenn du Papier in einem Buchblock kaufst, um es zum Buchbinden zu verwenden.

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In der Buchbinderei ist es üblich, dass du Papier in einem Ries kaufst. Ein Rieß bezeichnet dabei eine Anzahl von Bogen des gleichen Formats, die (meistens) in einem kräftigen Papier eingeschlagen sind. Format und Anzahl der Bogen sind dabei nicht festgeschrieben, wobei das Format meistens 70 x 100 cm oder ein Bruchteil ist und 100 oder 250 Bogen pro Rieß enthalten sind. Die Beschriftung eines Rieß ist auf einer der beiden schmalen Kanten aufgeklebt und umfasst meistens mehr Informationen als bei einem Papierblock. Neben Format und Grammatur sind häufig auch Laufrichtung, Volumen und Struktur vermerkt.

Grammatur - Das Gewicht von Papier

Die Grammatur ist die häufigste Angabe, die du findest, wenn du Papier kaufen möchtest. Sie seht meistens groß auf der Verpackung.

Die Grammatur ist ein Vergleichsmaß: ein Papier mit 120 g/m² ist schwerer und unter Umständen dicker und opaker als ein 80 g/m², wobei letztere Eigenschaften durch andere Faktoren beeinflusst werden können. Je nachdem, welche Eigenschaften du an deinem Papier schätzt und wie dein Projekt gestaltet ist, kannst du nach schwereren oder leichteren Papier umschauen. 

Volumen - Flauschiges Papier für dein Notizbuch

Das Volumen bestimmt die Papierdicke. Liegt das Volumen bei 1 hat das Papier die normale Dicke für seine Grammatur; ein Papier mit einem Volumen von 1,2 ist um 20% dicker, als wenn es ohne Volumen hergestellt worden wäre.
Papier mit Volumen ist schön weich und ein wenig nachgiebig. 

Da das Papier bei gleichem Gewicht dicker ist, kannst du mit Volumen Buchblöcke erzeugen, die bei gleichem Gewicht und gleicher Anzahl von Blättern, dicker ist, als mit Papier ohne Volumen. 

Opazität - Die unbekannte Schwester der Transparenz

Die Opazität (Adjektiv: opak) bezeichnet die Lichtundurchlässigkeit, also Blickdichtigkeit von Papier; das Gegenteil von Opazität ist Transparenz. In vielen Fällen gilt: Je opaker, desto besser, schließlich will man nicht den Text der Vorseite durch die aktuelle Seite hindurch lesen können. 

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Nimm dir für die Auswahl deines Papiers ein Seite mit deinem üblichen Schriftbild mit, und lege sie unter das Probeblatt, wenn du dir das Papier genau anschauen darfst. Überprüfe, ob du die Schrift durch das Papier hindurch scheint. Dies ist besser zu erkennen, wenn du viel Lichteinfall auf dem Testblatt hast. 

 

Oberflächenleimung - Damit ein Papier überhaupt beschreibbar ist

Heutige Schreibpapiere werden an ihrer Oberfläche mit speziellen Dispersionsleimen geleimt; früher wurde Gelatine verwendet. Dadurch wird das Papier weniger saugfähig und besser beschreib-, bemal-, und bedruckbar.

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Dies ist wieder eine Eigenschaft, die für das Binden des Buches an sich nicht relevant ist, aber eindeutig die Freude über dein zukünftiges Büchlein betrifft. Auch hier kannst du beim Einkauf fragen, ob du deinen Stift testen kannst - meistens wirst du dir jedoch das Papier kaufen müssen. Mit stark gestrichenem Papier wirst du allerdings nicht glücklich werden. Tinte dringt gar nicht ins Papier ein und trocknet darauf langsam, Kugelschreiber schmieren und Bleistifte wirken sehr blass und bieten keinen guten Kontrast. 

Struktur - Inbegriff von Eleganz

Die Struktur kann im Fall eines gestrichenen Papiers von der Oberflächenbehandlung abhängen; jedoch gibt es eine weitere Methode wie Papier eine Struktur erhalten kann. Dafür wird das Papier mit einem Muster geprägt. Dadurch bekommt das Papier eine feine Relief-Struktur. Diese Struktur kann einseitig oder beidseitig aufgebracht werden. 

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Als Schreibpapier eignet sich stark strukturiertes Papier nicht so gut, als Vorsatzpapier ist ausgezeichnet und hübsch.


Farbe - Weiß ist nicht weiß

Was bei Tonpapier offensichtlich ist, ist bei »weißem« Papier schon schwieriger zu erkennen - weißes Papier können unterschiedlich weiß sein. Der Farbe wird durch die Reflexion des Lichts vom Papier erzeugt, die genauen physikalische Werte sind praktisch aber nicht relevant.

Den Weißgrad deines Papiers kannst du anhand mehrerer Bogen bestimmen, die du im gleichen Licht nebeneinander legst. 

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Dabei wird sich das eine Papier als weißer erweisen als das andere; dieses wirkt im Vergleich gelblich. Dieser Faktor ist buchbinderisch wiederum nicht relevant; du kannst ganz nach deinem Geschmack entscheiden, was du hier bevorzugst.

Das Fazit der Papierwahl

Welches Papier das Richtige zum Buchbinden ist, hängt von deinem Projekt und deinen Fähigkeiten ab. Wenn du gerade bei deinen ersten Buchbinde-Versuchen bist, ist das Papier das Richtige, das du gerade da hast - selbst wenn es einfaches Kopierpapier ist. 

Buchbinderisch liegst du mit einem Werkdruck- oder Schreib- beziehungsweise Zeichenpapier nie falsch. Diese Papiere lassen sich gefügig verarbeiten und haben eine solide Qualität. 

Wenn du dir ein eigenes Notizbuch binden möchtest, versuche dich durch unterschiedliche Papiere. Du kannst dein Lieblingspapier nehmen, wenn du bereits eins hast und es in einem Block oder Rieß erwerben kannst. Im Zweifelsfall kannst du dein Projekt so anpassen, dass es zu deinem Papier und dessen Laufrichtung passt. 

Wenn du ein Buch selber drucken möchtest, stehst du vor anderen Schwierigkeiten. Deine Wahl hängt von der Bedruckbarkeit des Papiers ab und dem Format ab, das dein Buch am Ende haben soll und das du bedrucken kannst. Hier kommst du um Experimente nicht herum.

Hast du schon ein Lieblingspapier zum Buchbinden? Oder bei deinen Notizbüchern?

Nein?

Dann teile deine Ansprüche ans Papier doch in den Kommentaren. Vielleicht hat ein anderer Selberbuchbinder einen genialen Tipp für dich.

Ich nehme für meine meisten Zwecke das doree V120 von boesner. Es ist ein schönes Schreibpapier bei dem die Tinte schnell einzieht. Wichtig für mich als Linkshänder. Zudem ist es günstig, ein unschlagbarer Vorteil für Viel-Buchbinder.

Moin, ich bin Franja

Ich bin buchverliebt seit Kindesbeinen und da fiel es mir nicht schwer mein Leben den Büchern zu widmen. 

Ich schreibe selber und binde Bücher, bis jetzt – weiter Buchkünste kommen bestimmt noch hinzu.


Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht allen Buchbegeisterten die Kunst und das Handwerk rund ums Buch zu zeigen und zu lehren.

Ich gebe Workshops und leite den Zirkel der Selberbuchbinder, einen Online-Kurs mit Livetreffen.

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4 Kommentare

  • Hallo!
    Hast du für mich eine Empfehlung, wo ich dann auch empfohlenes Papier herbekomme?
    Ich suche schon seit letzten Freitag nach einem internetshop für Buchdruckpapier.
    Aber ich finde nur Shops mit Kopierpapier und ich würde wirklich gerne das Papier nicht so hellweiß haben wie das übliche Druckerpapier.
    Besten Dank!
  • Moin Bjoern,
    mein empfohlenes Papier, das V120, gibt's bei boesner. Ob es für deine Zwecke das Richtige ist, kann ich anhand deiner Angaben nicht beurteilen.
    Buchdruckpapier, wie es in Romanen verwendet wird, gibt es quasi nicht in kleinen Mengen und Formaten zu kaufen. Nicht mal im Buchbinderei-Bedarf.
    Der Kunstbedarf ist allgemein die aktuell beste Bezugsquelle.
    Schöne Grüße
    Franja
  • Den Artikel habe ich gerne gelesen. Meistens findet man sehr wenig Informationen über das jeweilige Papier. Mich interessiert auch die Herangehensweise für die Papierauswahl, hier sind einige Aspekte angesprochen. Da werde ich zu gegebener Zeit nochmal nachlesen!
  • Moin Kerstin,
    freu mich sehr, dass du so viel aus dem Beitrag gewinnen konntest.
    LG

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| 2018 – 2022 | 

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