Laufrichtung bei Papier: 5 Methoden, wie du sie erkennst und warum das wichtig ist

Hattest du schon mal ein englisches Taschenbuch in der Hand und warst überrascht, dass es sich so schlecht aufschlagen lässt?

Das liegt an der Laufrichtung des Papiers, die in diesen Büchern bei der Bindung nicht beachtet wurde.

Die Laufrichtung ist wie die Grammatur, das Volumen und die Oberfläche eines der entscheidenen Kriterien der Auswahl des Papiers zum Buchbinden. Nur das die Auswirkung subtiler und langfristiger ist als bei den anderen.

Denn Erstens: ein Buch, das mit richtiger Laufrichtung gebunden wurde liegt flacher und glatter offen vor dir. Du musst es nicht aufzwingen, weil es sich sperrt.

Zweitens: Beim Falzen werden die Papierfasern gebrochen, wenn sie entgegen der Laufrichtung geknickt werden. Dadurch ist ein Buch mit der falschen Laufrichtung weniger lang haltbar, als eins mit richtiger Laufrichtung. Das betrifft auch Papier und Gewebe beim Binden einer Decke am Falz. Aber dazu später mehr. 

Das sind die beiden Gründe, warum du dich nach Möglichkeit bei der Verwendung deines Papiers nach der Laufrichtung richten solltest. 

Aber wie findest du heraus welche Laufrichtung dein Papier hat?


5 Methoden, wie du die Laufrichtung bei Papier erkennen kannst


1. Die Wasserprobe


Laufrichtung Wasserprobe

Vorgehensweise: Reiße ein quadratisches Stück mit ca. 2-3 cm aus deinem Papier. Bestreiche das Papier von einer Seite mit Wasser und warte einen Moment bis das Papier sich aufwölbt. Anhand der Wölbung kannst du erkennen, wie die Laufrichtung ist. 

Bestimmung: Die Laufrichtung verläuft rechtwinkelig zur Krümmung auf dem Rücken der Wölbung. Halte das ausgerissene Stück an die Ursprungsstelle, um herauszufinden, welche Laufrichtung dein Papier hat. 

Vor- und Nachteile: Diese Methode ist narrensicher, denn das Ergebnis ist immer eindeutig. Nur wenn das Papier zu dünn (unter 70g/m²) und rau dringt das Wasser zu schnell durch und es entsteht keine Wölbung, anhand der du die Laufrichtung bestimmen könntest. Zudem musst du eine Ecke aus dem Papier reißen, was bei einem fertigen Notizbuch oder im Laden nicht ausprobieren kannst. 


2. Die Biegeprobe


Laufrichtung Biegeprobe

Vorgehensweise: Lege das Papier plan vor dich hin. Nimm die Kante der einen Seite des Bogens und ziehe sie auf die andere Seite, als würdest du ihn falzen. Lege die Hand sachte auf die entstandene Wölbung ohne sie runterzudrücken und zu knicken. Lasse los und dreh das Papier um 90°. Wiederhole die Prozedur.

Bestimmung: Die Laufrichtung des Papiers erkennst du an dem Widerstand im Papier; die Richtung, wo der Widerstand weicher ist und das Papier sich mehr zum Falzen neigt, hat die richtige Laufrichtung. Bei der anderen Richtung ist das Papier sperriger und fester. 

Vor- und Nachteile: Der größte Vorteil ist, dass du den Bogen nicht anreißen oder befeuchten musst, um die Laufrichtung herauszufinden. Bei dünnem Papier kann sie allerdings auch ein bisschen ungenau sein. Ich verwende diese Methode gerne im Geschäft bevor ich ein Papier kaufe. 


3. Die Falzprobe


Laufrichtung Falzprobe

Vorgehensweise: Lege das Papier vor dich und falze es mittig. Legst du Ecke auf Ecke und drückt die Wölbung mit einem Falzbein flach. Klappe die Falzung wieder auf und drehe deine Papier um 90°. Wiederhole die Falzung. Damit hast du einen Kreuzfalz.

Bestimmung: Die Laufrichtung ist parallel zum Falz, wenn der Falz, also die eigentliche Knickstelle, glatt ist. Beim Falzen dürfte dir schon aufgefallen sein, dass dir das Falzen mit der Laufrichtung einfacher gefallen ist. Bei dem Falz, der sich mit der Laufrichtung schneidet, ist die Schnittkante rau und ausgefranzt. Bei dickeren Papier bricht die Oberfläche auf. 

Vor- und Nachteile: Für diese Probe brauchst du ein Bogen deines Papiers oder zumindest ein größeres Stück davon. Allerdings ist sie nach ein bisschen Übung eindeutig. Am besten lässt sie sich beim Falzen selber anwenden; wenn du merkst, dass ein Falz rau und uneben ist, kannst du nochmal eine Gegenprobe machen. 


4. Die Fingernagelprobe


Fingernagelprobe

Vorgehensweise: Nimm die Kante von deinem Papier zwischen die Fingernägel von Daumen und Zeigefinger und lasse das Papier mit Druck zwischen ihnen herlaufen. Mache dies an beiden Seiten, die im rechten Winkel zueinander stehen. 

Bestimmung: Die Kante, die parallel zur Laufrichtung läuft, ist an der Stelle, die zwischen den Fingernägeln gezogen wurde, glatt und glänzend. Die entgegen laufende Seite ist gewellt und manchmal auch ein bisschen gekrümmt. 

Vor- und Nachteile: Durch die Fingernagelprobe hinterlässt du bleibende Markierungen auf dem Papier. Die Stellen sind aber schmal und unauffällig. Daher lassen sie sich auch in fertigen Notizbüchern durchführen; natürlich nach dem Kauf. Je dicker das Papier desto uneindeutiger sind die Ergebnisse. 


5. Die Sichtprobe

Vorgehensweise: Betrachte das Papier und versuche die einzelnen Fasern zu erkennen. Es ist hilfreich das Papier dabei einmal um 90° zu drehen und die Perspektive zu wechseln. Wichtig ist viel Licht. 

Bestimmung: Kannst du die längeren Fasern erkennen, treffen diese die Aussage über die Laufrichtung. Die Laufrichtung ist parallel zu den langen Fasern. 

Vor- und Nachteile: Bei einem glatten oder geprägten Papier lässt sich über diese Probe die Laufrichtung gar nicht erkennen. Allerdings gibt es bei bestimmten Papieren eine standardisierte Laufrichtung, die du an der Prägung erkennen kannst. Darunter fällt zum Beispiel Maschinenbüttenpapier; Papier, das einen Prägung erhält, die bei handgeschöpften Papier durch den Prozess entsteht. Bei diesem Papier gibt es eine raue und eine glatte Seite. Auf der glatten Seite kannst du Linien erkennen, die parallel zur Laufrichtung sind. Eine andere Normierung scheint es bei DIN A4 Kopierpapier zu geben, das du in Deutschland im normalen Handel kaufst. Dort ist die Laufrichtung scheinbar immer parallel zur langen Kante. Dieser Effekt ist optimal für eine Bindung an der langen Kante (zum Beispiel eine Klebebindung) und das Abheften des Papiers. Für Heftungen im A5 Format eignet sich Kopierpapier hingegen aus diesem Grund gar nicht. 




Schmalbahn oder Breitbahn

Wenn du Papier im Fachgeschäft oder Buchbindereibedarf kaufst, ist die Laufrichtung meist mit angegeben. Allerdings gibt es viele Kennzeichnungen, die oft querbeet verwendet werden. Am verbreitetsten sind SB für Schmalbahn und BB für Breitbahn.

Bei Papier, das Schmalbahn oder SB gekennzeichnet ist, ist die Laufrichtung parallel zur langen Kante

Bei einem Papier, das Breitbahn oder BB gekennzeichnet ist, ist die Laufrichtung parallel zur kurzen Kante

Laufrichtung Breitbahn
Laufrichtung Schmalbahn


Desweiteren gibt es die Markierung, dass die Abmessungen des Papiers unterstrichen sind. Bei der Markierung 50 x 70 cm liegt der Papierbogen in Breitbahn vor. Bei 50 x 70 cm in Schmalbahn. Unterstrichen ist demnach immer die Seite auf der die Papierfasern im rechten Winkel "stehen".

Manchmal wird die Kante, auf der die Laufrichtung "steht" als erstes Maß angegeben, also 70 x50 cm für Breitbahn-Bogen und 50 x 70 cm für Schmalbahn-Bogen. Dies ist aber nicht eindeutig, da bei Schmalbahn-Bogen nicht erkennbar ist, dass die Laufrichtung angegeben wurde. 





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