Anleitung: Kaschieren - Eine Basistechnik des Buchbindens

Ich schaue meinem Kursteilnehmer beim Anleimen von den Papieren für ihre Einbandpapiere zu und wie sie die Papier dann auf ihre Pappen kleben. Die meisten angehenden Buchbinder wünschen sich eine dritte Hand, haben Leim an allen Fingern oder zu wenig davon auf dem Papier. 

Am Anfang war ich darüber erstaunt, denn das Kaschieren von zwei Materialien aufeinander, ist mir seit Beginn meiner Ausbildung in Fleisch und Blut übergegangen. Doch dann überfielen mich die Erinnerungen an die Anfangszeit, wo mein Lehrer neben mir stand und mich vor dem Anleimen meines Material runterbeten ließ, mit welchen Fingern ich in den Leim fasse und mit welchen nicht. 


Was ist Kaschieren? 

Einfach gesagt, verbindest du beim Kaschieren zwei Materialien miteinander. Pappe mit Papier. Gewebe mit einem Trägermaterial. 
Wenn du ganz normalen Leim oder Kleister verwendest, ist das eine Nass-Kaschierung. 

Beim Verbinden mit Doppelklebefolie machst du eine trockene Kaschierung.


Doch was ist daran nun so besonders? 

Eigentlich nichts, außer dass es ein paar Tricks gibt, die ich dir zeigen möchte, damit es dir leichter fällt, ohne Leimflecken auf der "schönen" Seite dein Buch zu binden. 


Sternförmig zum Rand

Kaschieren 5

bei: Einkleben vom Buchblock und Anleimen von kleineren Flächen

Grundsätzlich möchtest du nicht dein Material von der falschen Seiten anleimen. Es kann jedoch passieren, dass du das Material von der Makulatur leicht abhebst und mit dem Pinsel auf die Unterseite kommst. 

Das kannst du verhindern, indem du immer von der Mitte deines Materials nach außen streichst. Den Pinsel hebst du für den Rückweg leicht vom Material ab und kehrst zur Mitte zurück. Dann streichst du von dort wieder nach außen. Wiederhole den Kreis um die Mitte bis du mindestens zwei Mal herumgekommen bist. Dadurch garantierst du, dass du auf jeder Stelle genug Leim aufgetragen hast.


Schmale Materialstreifen

bei: Rückeneinlagen anleimen

Bei schmalen Streifen arbeitest du dich am Besten von der Mitte aus nach Oben und Unten. Dabei tritt der Pinsel meist automatisch über die Kanten links und rechts. 


Große Flächen 

bei: Einbandmaterial aus Papier, Gewebe oder Leder, Poster oder Bilder auf einen Karton aufziehen

Große Flächen sind schwierig anzuleimen, da der Leim des ersten Pinselstrichs schon trocknet, während du die Letzten tust. 

Arbeite dich wieder von der Mitte aus nach Außen; wiederhole den Ablauf ein weiteres Mal und leime noch mal die erste Hälfte an. Wichtig hierbei ist auch, dass du den Pinsel mit der richtigen Größe auswählt. Bei großen Flächen empfehle ich sogar eine kleine Malerrolle. 


Negative Leimung

bei: Titelschildern und Auflagen aufkleben

Bei kleinen Stücken, die du anleimen möchtest oder solchen die kleine Ecken oder Vorsprünge haben (zum Beispiel bei Auflagen) kannst du eine negative Leimung machen. Dabei streichst du Leim auf eine Unterlage und legst dein Ausschnitt mit der anzuleimenden Fläche auf die Leimschicht. Drücke sie sachte an, du möchtest sie ja nicht festkleben, und ziehe sie dann wieder ab. Auf der Rückseite befindet sich jetzt eine hauchdünne Leimschicht. Beim Aufkleben wird nur wenig oder gar kein Leim unter den Rändern heraustreten. 


"Leim"-Finger und "Sauber"-Finger

Kaschieren 6

Kleine Materialien kannst du nach dem Anleimen einfach anheben. Dafür drückst du mit deinen "Leim"-Fingern auf die angeleimte Fläche und hebst das Material von der Makulatur ab. Mit sauberen Fingern kannst du das Material gegen die anderen "Leim"-Finger fixieren und gezielt aufkleben. 

Am einfachsten ist es, wenn du dir im Laufe deiner Buchbinde-Projekte dich auf Finger festlegst, die immer "Leim"-Finger sind, und welche, die immer "Sauber"-Finger sind. Handballen und Handkanten sind auch wichtig zum Festdrücken deines Leimguts gegen das Trägermaterial und somit von Leim frei zu halten. 

Ein weiterer Trick ist die Schürze, die du beim Buchbinden immer tragen solltest und an der du deine Finger immer schnell vom Leim reinigen kannst.


Pappe auf das Material oder Material auf die Pappe kleben?

Die größte Frage ist wann ich die Pappe auf der Material klebe und wann ich das Material von der Makulatur hebe und auf die Pappe auflege.

Grundlegend: Wenn du Einschläge hast, also z.B.: einen Einband machst, lässt du das Material auf der Makulatur liegen und legst die Pappen auf. 

Wenn du eine genaue Markierung, z.B.: bei einem Halbgewebe-Band oder einer Auflage treffen möchtest, hebst du das Material von der Makulatur ab und klebst es anhand der Markierungen auf. 


Luftblasen vermeiden

Luftblasen sind neben Leimflecken das größte Ärgernis für dein fertiges Buchbinde-Projekt. Du erkennst sie an dem Knistern, wenn du bei deinem getrockneten Buch über den Einband streichst. 

Du kannst sie vermeiden, wenn du beim Kaschieren sorgfältig die Luft zwischen Leim und Trägermaterial rausstreichst. Benutze dafür Finger oder Falzbein oder, bei größeren Flächen, die Handkanten. 



Werkzeuge

Die Werkzeuge für das Kaschieren sind natürlich Pinsel zum Auftragen von Leim. Das Falzbein und deine eigenen Hände sind ebenfalls wichtige Tools beim Verkleben von Materialien. 


Pinsel

Kaschieren 1

Zum Auftragen des Leims verwende ich immer Rundpinsel, da sie schnell viel Leim aufnehmen und sich an den Borsten immer eine "Reserve" findet. Um diese Anzugreifen kannst du den Pinsel leicht zwischen den Fingern rollen und mit einem anderen Teil der Borsten wiederstreichen. 

Für verschiedene Größen von Leimgut verwende ich Pinsel in verschiedenen Größen. Die Größen bezeichnen hierbei den Durchmesser des Pinsels. 

Die Auswahl des Pinsels für die Fläche ist neben dem persönlichen Geschmack eine Sache der Größe des Leimguts. Generell gilt: Je größer die anzuleimende Fläche, desto dicker sollte der Pinsel sein. Ich verwende grundlegend immer die drei gleichen Pinsel und eine kleine Malerrolle.


  • Fläche ca. A6 groß: kleiner Pinsel 
Kaschieren 4
  • Fläche ca. A5 plus (z.B. Einschläge): mittlerer Pinsel
Kaschieren 3
  • Fläche ca. A4 plus: großer Pinsel
  • Größere Flächen: großer Pinsel oder Malerrolle
Kaschieren 2


Falzbein und Hände

Das Falzbein ist das wichtigste Werkzeug zum Andrücken und Festreiben von Materialien, die du verkleben möchtest. 

Denkste? 

Am Wichtigsten sind eigentlich deine eigenen Hände (und bei besonders großen oder störrischen Materialien auch noch die Hände einer weiteren Person). 

Um sauber Kaschieren zu können, musst du also die Hände an den richtigen Stellen leim-frei haben. 

Für große Flächen verwendest du am Besten deine Handballen und Handkanten und streichst die Luft nach außen raus. 

Für kleinere Flächen und Kanten verwendest du deine "Sauber"-Finger. 

Für Vertiefungen, Kanten und umgeschlagene Flächen wie Einschläge verwende das Falzbein. 

Noch mal zu Fingern: Verwende niemals deine Fingernägel, um Kanten oder Vertiefungen anzureiben. Unter ihnen sammelt sich schnell Leim, der sich dann auf deine Oberfläche verteilen kann; oder sie hinterlassen Glanzstriche oder Nagellackspuren. 

Wer gerne mit empfindlichen Materialien arbeitet, kann darüber nachdenken sich ein Teflon-Falzbein anzuschaffen. Damit kannst du besonders empfindliche Materialien anreiben ohne Spuren zu hinterlassen. 

Vielen Dank für dein Vertrauen; ich passe gut auf deine Daten auf. Mehr Informationen findest du in der Datenschutzerklärung.

Kostenlose Buchbinde-Inspirationen

Erhalte das Wissen und die Inspiration für dein nächstes Buchbinde-Projekt kostenlos in dein Postfach.

Kostenlos für dich. Ich schicke dir regelmäßig Mails mit News und Angebote rund um Selberbuchbinden. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Datenschutz.

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?