Fadenbindung - Sieben Arten der alten Heftkünste

Vor Jahrtausenden begann die Menschheit Bücher zu binden, um Wissen zu bewahren oder Geschichten zu erzählen. Dabei war über Jahrhunderte die Fadenbindung die einzige Art die Seiten zusammen zu fügen. Doch der Mensch ist kreativ und im Laufe der Zeit hat er verschiedene Arten entwickelt die Lagen zu heften. 

Du kannst dir all dieses Wissen um diese Arten zu Nutzen machen und individuelle, hochwertige Bücher binden. Dabei macht es keinen Unterschied, ob du am Ende einen Hardcover oder Softcover Einband machen möchtest. 

Hier ist eine kleine Übersicht, welche Heftarten es gibt: 


Einlagige Heftungen

Diese Fadenbindungen einer einzelnen Lage. 


Schulheftheftung

Diese Bindung ist eine einfach Heftung mit der Schulhefte gebunden wurden, bevor sie mit mörderischen Drahtklammern ausgestattet wurden. 

Der Faden wird durch drei oder fünf (auf jeden Fall eine ungerade Anzahl) von Löchern gezogen oder außen oder innen verknotet. So ein Heft ist schnell gemacht.


Ausweisheftung

Die Ausweisheftung kennst du vielleicht von Reisepässen. Bei dieses Fadenbindung wird ein Faden über die ganz Länge des Falzes vernäht. Das kannst du zu Hause mit einer Nähmaschine machen. Das Problem ist nur, dass durch die häufigen Durchstiche das Papier quasi perforiert wird. Wenn du sehr stabiles Papier hast, ist es trotzdem möglich. 


Mehrlagige Heftungen

Bei diesen Heftungen werden mehrere Lagen zu einem Buchblock verbunden. 

Französische Kreuzheftung

Die Fadenbindung mit über den Bünden gekreuzten Fäden ist eine Heftung, die du für dünne Buchblöcke verwenden kannst, die bis zu einem 1 cm dick sind. Sie ist schnell und ohne Heftlade zu machen, doch dadurch dass die Bünde fehlen, ist sie nicht stabil bei dickeren Büchern. 


Fadenheftung auf Bänder

Fadenbindung

Die Fadenbindung auf Bänder ist quasi die klassische Heftung für geschlossene Buchrücken. Die Bänder stabilisieren die Lagen untereinander und können bei bestimmten Hardcover Einbänden zum Anbringen der Deckel dienen. 

Die Bänder sind am Besten aus Köper- oder Fischgrätband, Leder oder Pergament. Von ihnen hängt die langfristige Stabilität des Buchblocks ab, und es lohnt sich nicht hier am Material zu sparen. 

Du kannst auch ohne Heftlade ein Buch auf Bänder heften, einfacher ist es aber, wenn du die Bänder einspannen kannst. Wenn du lernen willst, wie du diese Bindung kannst kannst du dir das Videokurs-Modul dazu anschauen. 


Fadenheftung auf Schnüre

Die Fadenheftung auf Schnüre funktioniert ähnlich wie die Heftung auf Bänder, nur das statt dem Band eine Schnur verwendet wird. Diese kannst du aus aufgespleißten Paketband oder Hanfschnur selber drehen. Die Schnur muss frei von dicken Knötchen und gleichmäßig dick sein, damit die Stabilität der Heftung nicht verringert wird. 
Der Vorteil gegenüber den Bändern ist, dass du mit einem dünnen Faden arbeiten kannst, sodass die Bünde kaum auftragen. Sollen sie ganz verschwinden, kannst du die Bünde vorsichtig einsägen und die Schnüre versenken. Das heißt dann auch so: Heftung auf versenkte Schnüre. 

Auch beim Anbringen der Deckel oder Umlegen auf den Vorsatz ist die Schnur praktischer als das Band, denn sie lässt sich aufspleißen und gefächert aufkleben. 

Für die Heftung auf Schnüre ist eine Heftlade Pflicht, denn nur wenn die Schnur auf Spannung ist, kannst du die Lagen dicht an dicht heften. 

Wie bei der Heftung auf Bünde kannst du die Deckel anhängen und damit ein Buch binden, dass auf mittelalterlichen Techniken basiert.


Koptische Heftung

Die koptische Heftung geht auf die Kopten zurück, eine christliches Volk, das aus Ägypten stammt. Sie entwickelten schon zur Zeit der römischen Antike die Koptische Heftung. Damit ist diese Art Lagen zu verbinden eine der Ältesten der Welt. 

In der kreativen Szene ist sie sehr beliebt, da sie sich komplett aufschlagen lässt und sich daher besonders für Skizzenblock und Zeichenbücher eignet. Du hast bestimmt schon mal eine koptische Bindung auf Pinterest gesehen. 

Du kannst die koptische Heftung, wie gesagt, komplett aufschlagen und die Deckel werden direkt mit den Bünden angehängt. 

Die Heftung ist eine offene Bindung, du kannst die Heftung also innen und außen sehen. Besonders dann kommen bunte Heftfäden und mit Buntpapier verzierte Fälze als Veredelungen zur Geltung.  


Langstich-Heftung

Die Langstichheftung heiß früher Aktenheftung, den Verwendungszweck kannst du dir sicherlich jetzt vorstellen, doch sie erlebte in der kreativen Szene eine Renaissance. In den vielfältigsten Varianten wird sie angewandt und verziert. Grundlegend ist dabei, dass die Lage direkt mit dem Einband verheftet wird. Diese Technik funktioniert auch mit dickeren Lagen, zum Beispiel 32-ig Seitern. 

Da der Rücken des Covers die Bindung trägt sollte er stabil sein. Das Buch kann ein Softcover mit einem Einband aus Leder oder Pergament oder ein Hardcover mit fester Rückeneinlage aus Pappe sein. 


Fadenbindungen sind natürlich nicht die einzigen Bindearten, die es gibt. Wenn du mehr über Klebebindungen, Buchschrauben oder lose-Blatt-Heftungen erfahren möchtest, melde dich für den Newsletter an und bekomme sofort Bescheid, wenn es etwas Neues auf Selberbuchbinden gibt. Wie zum Beispiel mehr Bilder zu diesem Beitrag ;)

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