Fotoalbum: Eine ganz besondere Buchform

Man könnte meinen, dass Fotoalben eine antiquierte Buchform sind, die in der heutigen Zeit niemand mehr gestalten möchte.
Fotos werden in ein Einsteckalbum oder in ein Fotobuch gesteckt, was schneller geht, als sie einzeln in ein selbst gebundenes Fotoalbum zu kleben. 

Trotzdem wurde ich bis jetzt am häufigsten nach der Anleitung für ein klassisches Fotoalbum gefragt. Ebenso wie nach den Alternativen mit Buchschrauben oder anderen Einzel-Blatt-Bindung-Techniken.

Ob nun als Babyalbum, Hochzeitsalbum oder einfach für die Urlaubsfotos - bei ein Fotoalbum im Vintage-Stil gibt es ein paar Besonderheiten im Vergleich zu einem normalen Buch mit einer Fadenheftung. 


Besonderheit #1: Seiten aus (Foto-)Karton

Buchbinden Material 1

Im Vergleich zu einem normalen Buch hat Fotoalbum Seiten aus Karton. Es gibt speziellen Fotokarton, der holzfrei, säurefrei und alterungsbeständig ist. Tonkarton mit einem Flächengewicht von 300-400g/m² ist aber genau so gut geeignet. 

Die festeren Seiten verhindern, dass die Seiten aus Versehen knicken und die Fotos beschäftigt werden. Die Bilder lassen sich voll flächig auch mit flüssigem Klebstoff aufkleben, ohne dass der Karton wellt und verhindert durchbluten von Tinten auf die Rückseite, wenn die Seite um das Foto gestaltet werden soll. 


Besonderheit #2: Fotoalbum im Quadrat- oder Quer-Format

Fotoalben sind meist großformatig, über dem Din A4-Format. Das Endformat ist quadratisch oder quer-formatig; das sind in beim Buchbinden besondere Formate, die nicht häufig Anwendung finden. 

Beliebt ist das Seitenformat mit 25 x  25 cm oder 30 x 30 cm. Bei diesem Format gewinnt das Buch und die eingeklebten Fotos an Bedeutung. 

Natürlich ist im Prinzip egal wie groß das Album ist. Du kannst das Buch in jedem Format binden, das du haben möchtest. 

Fotoabzüge haben meist mindestens ein Format von 9 x 13 cm (9-er Format), üblich ist das 10 x 15 cm (10-er Format).
Damit die Fotos nicht bis zum Rand gehen ist ein Rahmen um das Foto optisch schön; 2-3 cm in jeder Richtung sind angemessen. 

Ein schönes Mindest-Format für ein Fotoalbum sind demnach 21 x 16 cm, wenn die Fotos im Querformat gemacht wurden. Das ist ein wenig größer als Din A5.


Besonderheit #3: Spinnenpapier zwischen den Seiten

Fotoalbum

Liebst du auch das Rascheln des Schutzpapiers auf den Fotos, wenn du in alten Fotoalben blätterst? 
Dieses Papier ist Pergamyn und diente früher zum Schutz vor Zusammenkleben der Fotos. Heute verkleben die Fotos nicht mehr ohne Weiteres, aber für ein Vintage-Gefühl und die richtige Optik, sind sie unumgänglich. 

Pergamyn-Papier gibt es mit zwei verschiedenen Prägungen. Schlicht und klassisch wirkt die Leinen-Prägung, wo sich ins Papier geprägte Linien kreuzen. Ein bisschen extravagant wirkt das Spinnenpapier, das den Pergamyn-Seiten im Fotoalbum den Namen verleihen. Auf diesem ist die Prägung aus kleinen Spinnennetzen zusammengesetzt. 



Besonderheit #4: Ausgleich für die Fotos

Imagination des Sommers 2

Besonders wichtig für die Stabilität des Fotoalbums sind Ausgleiche im Bund. Dafür werden Kartonstreifen in die Lagen am Bund geklebt, um die später eingeklebten Fotos schon bei der Heftung zu simulieren. 

Beim Einkleben der Fotos tragen diese mit ihrer Materialstärke auf. Schon wenige Fotos sorgen dafür, dass der Buchblock in der Fläche dicker ist, als an der Heftung. Ein Heftung (oder gar Verklebung) wird mit Zugkräften über die Maße belastet und früher oder später gesprengt. Die Fadenheftung reißt auf und die Lagen fallen raus.

Die Ausgleiche wirken als wären schon Fotos eingeklebt und verdicken das Buch am Bund. Dadurch bekommt es eine charakteristische Keil-Form, die aber schwindet, je mehr Fotos eingeklebt werden. 


Besonderheit #5: Stabile Heftung für das Fotoalbum

Wie gerade schon ausgeführt, haben Fotoalben gerne große Format. Diese großen Formate mit langen Seiten, setzten eine starke Bindung voraus. Der Buchblock hängt in der Decke und das eigene Gewicht und das der Fotos zieht die Seiten runter. Das gilt vor allem, wenn das Fotoalbum im Querformat ist. Dadurch wird die Heftung belastet und muss deswegen schon von Anfang an, als stabile Fadenheftung konzipiert werden. 

Am Besten geeignet ist eine Fadenheftung auf flache Bünde, wo durch das Band der Bünde eine extra Klammerwirkung auf den Buchblock ausgeübt wird. 

Voraussetzung dafür sind die Ausgleiche, die dafür sorgen, das die Heftung nicht gesprengt wird. 


Besonderheit #6: Fotoalbum als Halbband und mit Gewebeecken

Ob du aus deine Fotoalbum nun einen Ganzband oder Halbband machst, ist ganz dir überlassen. 
Bei einem Ganzband wird die Decke aus einem einzigen Material gefertigt, bei einem Halbband überziehst du den Rücken mit Gewebe oder Leder und die Deckel mit einem Papier oder zumindest einer anderen Farbe. 

Bei einem Halbband ist der Vorteil, das du dem Einband eine einfache Gestaltung und Unterteilung geben kannst. 
Der Rücken ist mit einem stabilen Material überzogen, dass die Belastungen am Falz gut aushält, während die Deckel mit einem andersfarbigen Papier überzogen sind, um sich abzuheben. 

Die großen Flächen in nur einer Farbe können schnell eintönig wirken, deswegen kannst du die Ecken mit Gewebe verstärken und sichtbar lassen oder eine Leder- oder Gewebeschiene an der Vorderkante anbringen, um der Decke mehr Form zu verleihen. 

Auch aufbauende Elemente wie Auflagen, Intarsien oder Unterlegungen sind eine Möglichkeit die große Fläche zu füllen. 


Besonderheit #7: Schuber oder Kassette 

Wenn das Fotoalbum fertig gestaltet ist und alle Fotos eingeklebt sind, findet es seinen Platz im Regal. 

Wie schon gesagt, ist die Belastung auf die Heftung bei dieser Art von Buch enorm und sie wirkt sich am Stärksten aus, wenn das Buch im Regal steht. Wie bei dem großen, schweren Buch ist es eine Überlegung wert, das Buch liegen zu aufzubewahren. 

Optimaler weise erhält das Fotoalbum noch eine Kassette (bei liegender Verwahrung) oder einen Schuber (wenn das Buch stehen soll). 

Eine Kassette ist für ein Fotoalbum einfacher zu konzipieren und zu machen, da die weiteste Stelle des Buches nicht als Grundlage für den Aufbau genutzt wird. Du kannst mehr Luft einplanen und die Kassette in der Dicke größer lassen. 

Beim Schuber wird die breiteste Stelle am Rücken als Grundlage für die Dicke des Schubers hergenommen. Deswegen wirst du bei dem Einkleben der Bilder darauf achten müssen, das der Buchblock nicht dicker wird als der Rücken. Durch die Ausgleiche sollte das nicht passieren, je nachdem wie viele Foto du einklebst und wie dick sie sind, kann es aber passieren, dass der Buchblock ein wenig aufschnabelt. Dann passt das Buch nicht mehr in den Schuber. 


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