Buchbinde-Material: Alles was du brauchst, um ein Buch zu binden – Teil 2

Auf Selberbuchbinden gibt es zwei umfassende Beiträge zu Materialen in der Buchbinderei. Einer davon behandelt die “unsichtbaren” Materialien, also alles, was während des Bindens komplett aus dem Sichtbereich verschwindet, weil es mit schönen, bunten Materialien überzogen wird. Diese “sichtbaren” Materialien lernst du in diesem Beitrag kennen:  

Papier – Das universelle Buchbinde-Material

Ich denke, ich verrate dir kein Geheimnis, wenn ich sage, dass Bücher hauptsächlich aus Papier bestehen. Auf den ersten Blick bekommt man sogar den Eindruck, dass die nur aus Papier bestehen.

Das stimmt nicht ganz und vor allem bestehen sie nicht nur aus einem Papier. Doch den bei Weitem größten Anteil macht das Papier für den Buchblock aus. Also der Teil der Beschrieben oder bedruckt wird.

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Das Papier für den Inhalt ist eher eine Sache des persönlichen Geschmacks und der Aufgabe, die das Buch später bewältigen muss.

Wird das Buch ein Notizbuch? Dann suche nach einem Papier mit einer weichen, hellen Oberfläche, auf der du angenehm mit deinen Lieblingsstiften schreiben kannst.

Zeichnest oder malst du und möchtest ein Skizzenbuch für deine Kunst? Dann nehme das Papier, das du so wie so schon am Liebsten für deine Arbeiten verwendest.

Die einzige unbedingte Voraussetzung ist, dass du das Papier im passenden Format findest: für eine Fadenheftung muss der Bogen die doppelte Breite und die Höhe des Endformats haben. Am besten läuft der Bogen breitbahn, damit die Laufrichtung parallel zum Falz sein wird. Bei einer Klebebindung entspricht der Bogen dem Endformat. Bei einer losen-Blatt-Bindung (wie einer japanischen Heftung oder Buchschrauben) brauchst du dein Format plus Steg an der Seite, wo die Bindung sein soll.
All das ist ohne einen eventuellen Beschnitt gedacht.

Übrigens: geschöpftes Papier hat keine Laufrichtung, deswegen brauchst du hier nicht auf die Laufrichtung achten.

Die kleinen Zierden fürs Buch

Zugegeben, Papier ist eine recht eintönige Sache. Bunter wird es nun mit den Details, die am fertigen Buchblock angebracht werden und ein wenig Farbe ins Spiel bringen.

Kapitalband

Das Kapitalband ist ein verzierendes Bändchen an Kopf und Fuß des Buchblocks. Es dient nicht unbedingt zur Stabilisierung der Bindung, eher im Gegenteil: bei Büchern, die ich repariert habe, fällt mir das Kapital meist schon entgegen, wenn ich nur ein bisschen zupfe.

Das Kapitalband dient vielmehr als Schmuck für das Buch und wird heut zu Tage aus Kostengründen meist industriell gewebt und nur angeklebt.

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Du kannst ein Kapital aber auch mit Garn oder Zwirn direkt an den Buchblock stechen. Die Arbeit kommst Sticken ähnlich und ist zeitaufwändig. Dafür kannst du dir die Farben und Muster selbst aussuchen. Es gibt bestimmt über 20 verschiedene Möglichkeiten ein Kapital zu stechen.

Ein bisschen einfacher ist ein Lederkapital. Dafür legst du das Material aus dem du deinen ein Einbands fertigst um einen stabilen Kern und nutzt das als Kapital.

Lesezeichen

Lesezeichenbänder werden am Rücken des Buchblocks unter dem Kapital angeklebt. Es dient, wie der Name schon sagt zur Markierung der Seiten beim Lesen oder Notieren des Buches.
Die Lesezeichenlitze ist ein schmales Band; hierbei lasse sich wunderbar auch gewebte Geschenkbänder verwenden. Damit sind Farben und Formen quasi unbegrenzt.

Allerdings ist ein Lesezeichenband keine Pflicht bei einem schönen Buch. Du kannst dir Lesezeichen zum Einlegen oder auf die Ecke stecken passend zum Buch gestalten und hast damit eine wunderbare Alternative zu eine fest angebrachten Lesezeichenband.

Schönes Papier für schöne Vorsätze

Der Vorsatz ist ein entscheidendes Element an einem Buch. An ihm hängt der Buchblock in dem Einband – im wahrsten Sinne es Wortes. An anderen Stellen berührt der Buchblock den Einband zwar, ist aber nicht mit ihm verklebt.

Ein Vorsatz besteht aus Papier und häufig wird das genommen, dass auch für den Inhalt genutzt wird. Und doch ist der Vorsatz eine Möglichkeit dein Buch zu gestalten.

Du kannst ein farbiges Papier nehmen, wie einfaches Tonpapier aus dem Bastelbedarf, oder du wählst spezielle Papiere, wie Maschinenbütten oder handgeschöpfte Papiere.

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Alternativ kannst du zu dem Papier greifen, dass du für den Einband verwendest und damit Ton in Ton und Muster in Muster arbeiten. Der Vorteil hierbei ist, dass kleinere Fehler, wie ein schief eingeklebter Buchblock kaum auffallen.

Material für den Einband

Bisher habe ich dir die sichtbaren Details vorgestellt. Auf diese Materialien musst du achten oder das Buch aufschlagen, um sie zu sehen zu bekommen. Dabei haben die Materialien, mit denen du den Einband überziehst, den größten Einfluss auf die Optik deines Buches. Deswegen ziehe ich nun den Vorhang auf für die atemberaubenden Einbandmaterialien.

Dekoratives Papier für Einband und Vorsatz

Für den Einband und Vorsatz sind dekorative Papiere eine wunderschöne Möglichkeit der Gestaltung.

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Natürlich muss ein Papier für Einband nicht bunt oder gar bedruckt oder bemalt sein, es ist das einfachste Stilelement, um dein Buch zu verschönern. Wie bereits gesagt, kann Buntpapier für den Einband und den Vorsatz verwendet werden. Es gibt dabei eine Schnittmenge der Kriterien, die ein Papier dafür erfüllen muss, auch wenn sich die grundsätzlichen Voraussetzungen ein wenig unterscheiden.

Die Kriterien für eine gutes Vorsatzpapier sind:

  • stabiles, dichtes Papier
  • Grammatur: 100-150 g/m²
  • Laufrichtung unbedingt parallel zum Buchrücken

Die Kriterien für ein gutes Einbandpapier sind:

  • stabiles, blickdichtes Papier
  • Grammatur: 80 - 150 g/m²
  • Das Muster auf dem Papier kann Vorrang bei der Entscheidung haben, wie rum du dein Papier drehst. Mit der Laufrichtung ist zwar besser, aber die Optik spielt eine wichtige Rolle.
  • Keinen dicken Farbauftrag an den Kanten und Einschlägen, da diese beim Einschlagen abplatzen können

Gewebe – ein Kleid für das Buch

Papier ist nicht als Einziges als Einbandmaterial geeignet: eigentlich ist Gewebe das bessere Material, um einen Einband zu fertigen. Es sind stabiler als Papier, günstig und lässt sich einfach verarbeiten.

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Als Gewebe kannst du nicht jeden Stoff nehmen; Buchbinderleinen ist ein dünner Stoff, der auf ein dünnes Papier aufkaschiert wurde. Dadurch kann der Leim, der für die Verarbeitung auf die Rückseite aufgetragen wird nicht auf die Vorderseite durchschlagen und Flecken hinterlassen.

Buchbinderleinen ist in der Breite von einem Meter auf Rolle erhältlich. Meistens sind die Stücke 50 cm oder 100 cm lang.
Das Gewebe unterscheidet sich nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Art wie es gewebt und verarbeitet wurde. Es gibt gestrichene Gewebe, die eine lackierte Oberfläche haben, oder welche, die mittels einer heißen Walze geglättet wurden.

Du bekommst einige wenige Farben und eine Sorte von Haptik bei boesner; natürlich ist die Auswahl viel größer. Dafür musst du zu Großhändlern wie Schmedt gehen, die auch einzelne Meter verkaufen.

Die Althergebrachten: Leder und Pergament

Leder und Pergament sind die ältesten Materialien der Buchbinderei. Sie bestechen durch jahrhundertelange Beständigkeit und machen das grandiose Gefühl eines wertvollen Buches aus. Bücher mit Ledereinband selbst herzustellen zu können ist einer der größten Vorteile am Selberbuchbinden. Denn die Lederbände, die du kaufen kannst sind meist nicht mit den besten und schönsten Ledern ausgestattet. Einen Pergamentband wiederum hab ich im Laden noch nie gesehen.

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Sowohl bei Leder als auch Pergament unterscheiden sich Farben und Verarbeitungsmöglichkeiten nach dem Tier, von dem die Haut stammt.

Für das Buchbinden ist Ziegenleder das optimale Leder. Es lässt sich gut ausschärfen und dehnt sich nicht so stark. Die etwas raue Narbung ist bestechend.

Doch auch andere Leder lassen sich fürs Buchbinden verwenden. Die Kriterien sind:

  • Dicke: unter 2 mm ist am Besten
  • nicht zäh und dehnbar, sonst lässt es sich nicht gut verarbeiten
  • durchgefärbt und nicht auf der Oberfläche lackiert; die Lackierung platzt im Laufe der Zeit ab
  • Narbenseite für das Äußere des Buches; es gibt auch Nappaleder mit weicher Oberfläche. Das ist eher schwierig zu verarbeiten.

Die Buchbinder haben Ziegenleder am Liebsten. Rindsleder und Schafsleder ist geeignet. Schau dich in deiner Gegend nach einem Lederhändler um.

Pergament ist noch schwieriger zu bekommen, aber das das du im Großhandel für Buchbinderei erwerben kannst, kannst du auch für Bücher verarbeiten.
Eine andere Möglichkeit Leder und Pergament zu kaufen ist die Buchbindermesse, die jährlich in Köln stattfindet.

Franja empfiehlt:
Es gilt grundsätzlich: Du kannst dir deine Materialen aus deinem Alltag zusammentragen. Alles was du brauchst um ein Buch zu binden, hast du wahrscheinlich schon zu Hause. Ich habe dir bei den einzelnen Materialen Beispiele gegeben, wo du danach suchen kannst .
Es kommt trotzdem ein “Aber”. Wenn du dir die speziellen Materialien besorgst, sparst du dir möglicherweise eine Menge Stress. Denn die Spezialitäten sind dafür gedacht, Bücher damit zu binden. Zum Teil sind sie seit Jahrhunderten erprobt und immer und immer wieder von Buchbindern verwendet und optimiert [LINK: Warum Buchbinden] worden.

Einkaufsliste für dein Buchbinde-Material

- Papier für den Buchblock, zum Beispiel Bücherschreib-Papier*

- Kapitalband*

- eventuell Lesezeichenlitze*

- Vorsatzpapier* oder Buntpapier*

- Buchbinderleinen*

- Buchbinderleder*

- Pergament*

*Diese Links führen dich zu den Angeboten von Schmedt, einem Großhändler für Buchbinde-Material. Ich bekomme, wenn du über den Link einkaufst, eine kleine Provision, ohne dass du mehr bezahlst. Eher im Gegenteil: Wenn du den Rabattcode selberbuchbinden5 verwendest, kannst du 5% auf deine erste Bestellung sparen. Ausgenommen davon sind große Geräte und Maschinen; weitere Materialien und Werkzeug jedoch schon, also kannst du auch noch bei dem Beitrag für "unsichtbare" Materialien und die grundlegenden Werkzeuge der Buchbinderei vorbeischauen und diese Listen nutzen, um deine Buchbinde-Grundausstattung zusammenzustellen.

Dadurch unterstützt du Selberbuchbinden.

Du kannst natürlich trotzdem deine Schränke und Material-Kisten durchwühlen und schauen, was du schon zu Hause hast. Und du kannst dich natürlich auch entscheiden, bei einem anderen Anbieter zu kaufen.

Moin, ich bin Franja

Ich bin buchverliebt seit Kindesbeinen und da fiel es mir nicht schwer mein Leben den Büchern zu widmen. 

Ich schreibe selber und binde Bücher, bis jetzt – weiter Buchkünste kommen bestimmt noch hinzu.


Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht allen Buchbegeisterten die Kunst und das Handwerk rund ums Buch zu zeigen und zu lehren.

Ich gebe Workshops und leite den Zirkel der Selberbuchbinder, einen Online-Kurs mit Livetreffen.

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3 Kommentare

  • Danke
  • Guten Morgen aus Österr., Da ich mich etwas mit dem Buchbinden, als auch dem Erstellen von Schachteln beschäftige, würde ich gerne wissen, welcher Leim die beste Auswahl ist. Für das Buchbinderleinen verwende ich an den Gelenken Planatol BB Superior, zum Kaschieren des Papier Planatol Elasta N und zum Verkleben der Graupappe normalen Holzleim. Nachdem diese Leime original für mich doch etwas zu dick sind, verdünne ich diese etwas mit normalen Tapetenkleister. Oder würde dafür normales Wasser auch genügen. Gibt es ev Erfahrungswerte hiefür ßß Lg
  • Moin Franz,
    Zum Schachteln schachteln verwendest du am Besten Planatol BB (Superior). Ich verwende mittlerweile für alle Buchbinde-Projekte nur noch den "normalen" BB und Kleister, bzw. deren Mischungen. Langfristig möchte ich auf Planatol (und Dispersionsleime allgemein) verzichten und nur noch Kleister und Knochen- oder Hautleim zu verwenden. In dem Fall werde ich die Schachteln mit dem Knochenleim verleimen.
    Verdünnen von Dispersionleimen würde ich immer mit Kleister machen und nicht mit Wasser.

    Schönes Wochenende Franja

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